EU-Wahlbeobachter in Kolumbien besorgt über zunehmende Gewalt

Knapp drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl nimmt die Gewalt von bewaffneten Gruppen in Kolumbien zu. Die EU-Wahlbeobachtermission sieht die Möglichkeit von freien und fairen Wahlen beeinträchtigt.

Berlin, Bogotá - Vor der Präsidentschaftswahl am 31. Mai in Kolumbien zeigt sich die EU-Wahlbeobachtermission besorgt über die im Land zunehmende Gewalt. In einer Pressekonferenz erklärte der Leiter der Mission, José Antonio de Gabriel, am Donnerstag (Ortszeit) laut der Tageszeitung „El Tiempo“, die Präsenz bewaffneter Gruppen „beeinträchtigt die Durchführung von Wahlkampagnen und die Freiheit der Wähler“. Dies sei schon seit sehr langer Zeit der Fall in Kolumbien, wobei es in jüngster Zeit eine Zunahme der Gewalt gegeben habe.

Erst Ende April gab es im Südwesten des Landes einen Bombenanschlag, bei dem 20 Menschen ums Leben kamen. Es war das schwerste Attentat seit mehr als 20 Jahren. Bereits Mitte August des vergangenen Jahres hatte die kolumbianische Regierung angekündigt, mittels besonderer Polizei- und Militärpräsenz für faire, freie und sichere Wahlen zu sorgen. Dies gilt insbesondere auch für die Präsidentschaftskandidaten, die selbst davon berichten, Morddrohungen zu erhalten.

Iván Cepeda Kandidat der linken Regierung

Bei der bevorstehenden Wahl strebt die aktuelle linke Regierung mit dem Kandidaten Iván Cepeda eine Wiederwahl an. Die aussichtsreichsten Kandidaten der rechten Opposition sind Abelardo de la Espriella und Paloma Valencia. Beide befürworten entgegen der aktuellen Politik des Dialogs, wieder mit mehr Militärgewalt gegen die bewaffneten Gruppen vorzugehen.

In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen dem Staat, Guerillagruppen und paramilitärischen Milizen. Dabei wurden nach Schätzungen rund 300.000 Menschen getötet und sieben Millionen vertrieben. Mehrere Landstriche innerhalb Kolumbiens werden von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Diese finanzieren sich größtenteils durch Kokainproduktion, unter anderem für den europäischen Markt, und illegalen Bergbau.

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