Globale Partnerschaften für mehr Geschlechtergerechtigkeit
Globale Partnerschaften für mehr Geschlechtergerechtigkeit

Unterschiedliche Lebenswirklichkeiten

Mit einem Austausch in Sachen Geschlechtergerechtigkeit kann der globale Norden vom Süden lernen – und umgekehrt. Bei einer Tagung in Freising wurden Chancen und Grenzen globaler Partnerschaften zur Verbesserung der Situation von Frauen ausgelotet.

Bis zum Jahr 2030 soll Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen weltweit erreicht sein. So steht es in Ziel 5 der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele. Das im Jahr 2017 von Engagement Global in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Komitee United Nations Women begonnene Projekt 5/17 will das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit mit der Forderung nach globalen Partnerschaften in Ziel 17 verbinden. Durch Bildungsarbeit soll das Projekt in Deutschland ein Bewusstsein für die Situation von Frauen im globalen Süden schaffen. Daraus sollen dann beispielsweise globale Partnerschaften entstehen, etwa in Form von Städteverbindungen oder  einer Zusammenarbeit in der Zivilgesellschaft.

Anfang November fand im Rahmen des Projekts eine Fachkonferenz mit Gästen aus Nord und Süd in Freising bei München statt. Die deutsche Anwältin und frühere CSU-Politikerin Christine Haderthauer, die Friedensnobelpreisträgerin von 2011 aus dem Jemen, Tawakkol Karman, die kanadisch-afghanische Autorin Nahed Shahalimi und der Botschafter Ruandas in Berlin, Igor César, diskutierten über Ungleichheiten in der politischen Teilhabe von Frauen. Dabei  wurde deutlich, dass die Lebenswirklichkeiten von Frauen so unterschiedlich sind, dass es außer dem Geschlecht wenig Verbindendes gibt, etwa zwischen der ehemaligen bayerischen Politikerin, die während ihrer Amtszeit als Staatssekretärin im bayerischen Familienministerium in Fragen der Migration zu den Hardlinern zählte, und der jemenitischen Friedensnobelpreisträgerin.

Bei der Frauenquote kann Deutschland etwas vom globalen Süden lernen. In Ruanda gibt es bereits seit langem eine Quote in vielen politischen Institutionen, deren Umsetzung auch kontrolliert wird, wie Igor César berichtete. Mehr als 60 Prozent der Parlamentsmitglieder sind weiblich, ein etwa doppelt so hoher Anteil wie im Bundestag.

Auch die deutschen Parteien tun sich teilweise noch schwer mit einer festen Quote. Beim CSU-Parteitag im Oktober in München scheiterte die Parteiführung mit ihrem Bemühen, eine verbindliche Quote für Frauen in ihren Gremien festzulegen, bedauerte Haderthauer.

Wie Konsummuster im globalen Norden die Situation von Frauen im Süden beeinflussen, erläuterte Gisela Burckhardt von der Organisation Femnet am Beispiel der schwierigen Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen in Indien und Bangladesch. Durch den Einkauf von fair produzierter Arbeitsbekleidung für ihre Angestellten könnten etwa Kommunen direkt einen Beitrag für bessere Lebensbedingungen von Textilarbeiterinnen in Asien leisten und zur Bewusstseinsveränderung bei uns beitragen, betonte Burckhardt.
Globale Partnerschaften sind auch in Form von Kooperationen mit den asiatischen Textilarbeiterinnen denkbar. Anders als in einem Entwicklungsprojekt kommt es bei Femnet zu einem direkten Austausch mit Arbeiterinnen und ihre Situation kann durch die Aktionen hierzulande greifbar werden.

Solche Partnerschaften auf Augenhöhe seien das „beste Mittel, um konkrete Ziele zu erreichen“, weil man „so am besten voneinander lernen kann“, sagt Joy Alemazunga von Engagement Global. Auf diese Weise führten die UN-Nachhaltigkeitsziele dazu, dass Frauen aus Nord und Süd besser ins Gespräch miteinander kommen.

Allerdings werden globale Partnerschaften manchmal von der Regierungspolitik konterkariert, wie die Friedensnobelpreisträgerin Ta­wakkol Karman deutlich machte. Auch im Nahen Osten kämpfen Frauen für mehr Rechte und politische Teilhabe, aktuell etwa im Libanon und im Irak. „Nur eine offene, demokratische Gesellschaft kann die Rechte von Frauen garantieren“, sagte Karman. Für sie wäre der wichtigste Beitrag für Frauenrechte in der Region daher ein Ende westlicher Unterstützung für Diktatoren wie etwa in Ägypten oder Saudi-Arabien.

erschienen in Ausgabe 12 / 2019: Armut: Es fehlt nicht nur am Geld

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