Ex-Kricket-Star Khan gewinnt Parlamentswahl in Pakistan

Pakistan steht vor einem Regierungswechsel: Die Muslim-Liga der Industriellenfamilie Sharif hat die Wahl verloren und räumt dies kleinlaut ein. Indes will der siegreiche ehemalige Kricket-Star Khan nicht in die Residenz des Regierungschefs einziehen.

In Pakistan will die Muslim-Liga trotz massiver Fälschungsvorwürfe den Wahlsieg des bisherigen politischen Außenseiters Imran Khan anerkennen. "Der demokratische Prozess soll weitergehen", erklärte der Muslim-Liga-Politiker Hamza Shahbaz am Freitag laut der Tageszeitung "Dawn". Trotz aller Vorbehalte werde man den Regierungsauftrag des früheren Kricket-Stars Khan mit seiner Partei PTI respektieren.

Auch der wegen Korruption inhaftierte Ex-Regierungschef Nawaz Sharif werde nicht zu Protesten aufrufen, sondern das Votum der Wähler akzeptieren. Zuvor hatte Sharif die Wahl als "gestohlen", "zweifelhaft" und "schmutzig" bezeichnet. Die Muslim-Liga war mit seinem Bruder Shahbaz Sharif als Spitzenkandidat angetreten. Sie stammen aus einer Industriellenfamilie.

Wahlsieger Khan erklärte, die Wahl sei sauber verlaufen, aber er werde die Opposition unterstützen, um die Manipulationsvorwürfe zu untersuchen. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte des seit 1947 unabhängigen Landes, dass eine zivile Regierung in einer demokratischen Wahl abgelöst wird. Pakistan stand jahrzehntelang unter Militärherrschaft.

103 Millionen Menschen wahlberechtigt

Laut dem vorläufigen Ergebnis der Parlamentswahl vom Mittwoch erhält Khan mit seiner Antikorruptionspartei PTI 110 Sitze. Die bisher regierende Muslim-Liga kommt auf 63 Sitze. Von den 270 allgemein gewählten Sitzen im Parlament waren bis Freitagnachmittag 251 vergeben. Weitere 70 Mandate sind für Frauen und Minderheiten reserviert.

Khan wird vermutlich eine Koalition bilden müssen, weil seine Partei die nötige Mehrheit von 137 Sitzen in der Nationalversammlung nicht erreicht. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,3 Prozent - ähnlich wie 2013. Stimmberechtigt waren 103 Millionen Menschen, gut die Hälfte der Pakistaner.

Shahbaz wertete die Sieges-Ansprache Khans am Donnerstag positiv. Seine Rede kam auch beim verfeindeten Nachbarn Indien gut an. Ein Streitpunkt ist die Unruheregion Kaschmir, auf die beide Staaten Anspruch erheben. Der 65-jährige Ex-Kricketspieler Khan versprach, sich für eine Verbesserung des Beziehungen zu Indien einzusetzen und einen neuen Anlauf bei der Lösung des Kaschmir-Frage machen. "Ich will wirklich unsere Beziehungen verbessern: Wenn ihr einen Schritt tut, werden wir zwei tun", sagte Khan an die Adresse Indiens.

Früherer Sportler und Playboy

Khan kündigte zudem an, er wolle aus Pakistan einen "islamischen Wohlfahrtstaat" machen, die Armut bekämpfen und die Korruption ausrotten. Er wolle zudem "nicht wie ein König leben" und deshalb nicht in den opulenten Palast des Ministerpräsidenten einziehen, der besser als Schule genutzt werden solle. Jeder dritte Pakistaner lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker befürchtet, dass Khan als "Mann der Armee" Menschenrechtsverletzungen von Militärs nicht aufarbeiten wolle. Auch Christen und andere religiöse Minderheiten hätten von ihm nichts Gutes zu erwarten da der frühere Sportler und Playboy inzwischen streng islamischen Strömungen nahestehe, erklärte die Organisation in Göttingen.

Vor der Wahl hatten Angehörige der Partei Sharifs über Einschüchterung und Repressalien geklagt und angedeutet, dass Pakistans mächtige Militärführung einen Sieg von Khan durchsetzen wolle. Kandidaten der unterlegenen Parteien kritisierten auch eine langsame Auszählung und beklagten, Stimmen seien ungültig gemacht worden.

Auch das Wahlbeobachter-Team der Europäischen Union beschwerte sich, dass seine Arbeit behindert werde. Der Wahlkampf war von Gewalt überschattet. Am Wahltag starben bei einem Anschlag auf ein Wahllokale in der Stadt Quetta mindestens 31 Menschen.

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