WHO: Corona bedroht Fortschritte im Kampf gegen Tuberkulose

Genf - Die Corona-Pandemie droht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Fortschritte im Kampf gegen die Tuberkulose zunichtezumachen. Viele Länder setzten Fachkräfte und Geld jetzt zur Eindämmung der Krankheit Covid-19 ein und nicht mehr gegen die Tuberkulose, teilte die WHO am Mittwoch in Genf mit. Das mache sich etwa beim Erfassen von Tuberkulose-Erkrankungen bemerkbar.

In Indien, Indonesien und auf den Philippinen gab es dem WHO-Bericht zufolge einen Rückgang der Erfassung von Tuberkulose-Infektionen im ersten Halbjahr 2020 um bis zu 30 Prozent, verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019. Diese Nichtregistrierung könnte die Zahl der Todesfälle dramatisch ansteigen lassen, da die Betroffenen nicht mehr therapiert würden, warnte die Weltgesundheitsorganisation. In Indien, Indonesien und auf den Philippinen ist die Tuberkulose stark verbreitet.

Zahl der Todesfälle war um 14 Prozent zurückgegangen

Vor Beginn der Corona-Pandemie seien im Kampf gegen die Tuberkulose Erfolge erzielt worden. So sei die Ausbreitung der Krankheit von 2015 bis 2019 um neun Prozent gesunken, die Zahl der Todesfälle sei um 14 Prozent zurückgegangen. Dennoch erkrankten im Jahr 2019 laut WHO rund zehn Millionen Menschen an der Tuberkulose, rund 1,4 Millionen von ihnen starben. Als besonders gefährlich erweist sich, dass Erreger resistent gegen gängige Antibiotika werden.

Ein Viertel bis ein Drittel aller Menschen weltweit trägt laut Expertenschätzungen Tuberkulose-Bakterien in sich. Bei den meisten Menschen ist das Immunsystem stark genug, um eine Erkrankung abzuwehren. Unter- oder Mangelernährung, extremer Stress wie etwa Kriege oder eine Schwächung durch andere Krankheiten lassen den Tuberkulose-Bakterien hingegen leichtes Spiel.

Meist ist die Lunge betroffen, doch auch jedes andere Organ kann von den Bakterien befallen sein. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Symptome sind Kraftlosigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme und Husten, auch mit blutigem Auswurf. Die Behandlung erfolgt mit einem Antibiotika-Cocktail, der über Monate hinweg eingenommen werden muss. Eine umfassende Impfung gibt es nicht.