Neuer Übergangspräsident Sagasti in Peru vereidigt

Lima - In Peru hat Übergangspräsident Francisco Sagasti sein Amt angetreten. Der 76-jährige Wirtschaftsingenieur wurde am Dienstagnachmittag (Ortszeit) als Staatschef vereidigt. Das Parlament hatte Sagasti nach dem Rücktritt von Interimspräsident Merino mit großer Mehrheit zum Nachfolger bestimmt. Er ist bereits der vierte Präsident in der aktuellen Legislaturperiode, sein Mandat endet im Juli 2021. Im kommenden April stehen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an.

"Vertrauen und Hoffnung sind die beiden Dinge, die wir der Bevölkerung in den verbleibenden Monaten zurückgeben wollen", sagte Sagasti in seiner ersten Rede als Staatspräsident. Neben der Bekämpfung der Corona-Pandemie will er in seiner Regierung einen Schwerpunkt auf die Bildung legen. Sagasti bat bei den Familienangehörigen der beiden am Wochenende erschossenen Demonstranten um Entschuldigung. Sie hätten von ihrem legitimen Demonstrationsrecht Gebrauch gemacht.

Sagasti gilt vielen politischen Beobachtern als eine gute Personalie in der aktuellen politischen Krise. Der Wirtschaftsingenieur ist Spezialist im Bereich Wissenschaft und Technik und hat für zahlreiche internationale Institutionen wie die Weltbank und mehrere peruanische Regierungen als Berater gearbeitet.

Fast eine Million Corona-Infizierte 

Nach der Absetzung von Präsident Vizcarra wegen Korruptionsvorwürfen hatten Tausende Peruaner tagelang gegen die Übergangsregierung von Manuel Merino demonstriert. Dieser trat daraufhin nach nur sechs Tagen  im Amt zurück. Die Polizei soll die weitgehend friedlichen  Demonstrationen laut lokalen Medienberichten gewaltsam niedergeschlagen haben, am Samstag starben zwei junge Männer an ihren Schussverletzungen. Die Vereinigten Nationen kündigten an, eine Mission zur Aufklärung der Vorfälle zu entsenden.

Peru steckt aufgrund der Corona-Pandemie in einer wirtschaftlichen und medizinischen Krise. Laut Gesundheitsministerium gibt es mehr als 938.000 Infizierte, die Zahl der Toten liegt bei über 35.000. Zudem hatte die Vizcarra-Regierung wegen der verstärkten Ausbreitung von Diphterie vor wenigen Wochen einen weiteren landesweiten epidemiologischen Alarm ausgerufen.