Regierungen sagen zwölf Milliarden US-Dollar für Afghanistan zu

Genf - Die Weltgemeinschaft hat für die friedliche Entwicklung und den Wiederaufbau in Afghanistan rund zwölf Milliarden US-Dollar (10,1 Milliarden Euro) zugesagt. Die Gelder sollen in den nächsten vier Jahren in das Konfliktland fließen, teilte die finnische Regierung nach der Geberkonferenz für Afghanistan 2020 am Dienstag in Genf mit.

Die Konferenz sei "erfolgreich" gewesen, bilanzierte Mohammad Haneef Atmar, der afghanische Außenminister. "Wir sind nicht alleine", sagte er weiter. Doch lagen die Zusagen deutlich unter den Ergebnissen der letzten Geberkonferenz für Afghanistan 2016. Vor vier Jahren kamen Zusagen von 15,2 Milliarden US-Dollar zusammen. Die UN hatten zusammen mit Finnland und Afghanistan die Konferenz 2020 organisiert.

Maas: Korruption muss bekämpft werden

Deutschland will im kommenden Jahr bis zu 430 Millionen Euro für zivile Projekte in Afghanistan zur Verfügung stellen. Vergleichbar hohe deutsche Finanzhilfen für das Konfliktland könnten bis 2024 aufrechterhalten werden, stellte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Aussicht.

Allerdings müsste Afghanistan seine Bereitschaft zeigen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu wahren. Zudem verlangte Maas von Afghanistan eine verantwortungsvolle Regierungsführung und die Bekämpfung der Korruption. Weiter müssten in Afghanistan die Menschenrechte, insbesondere die Rechte von Frauen und Minderheiten, geachtet werden. Maas fügte hinzu, Deutschland erwarte Fortschritte bei den Friedensverhandlungen zwischen der Regierung Afghanistans und den radikal-islamischen Taliban, die derzeit in Doha, Katar, stattfinden.

Die USA sagten 300 Millionen US-Dollar für das Jahr 2021 zu. Weitere 300 Millionen US-Dollar würden 2021 nur dann fließen, wenn sich die Positionen bei den innerafghanischen Friedensverhandlungen in Doha annäherten.

Guterres warnt vor humanitärer Krise

UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Vormittag auf der Geberkonferenz vor einer Zuspitzung der humanitären Krise in Afghanistan gewarnt. Der kommende Winter drohe das Leiden der Bevölkerung weiter zu erhöhen, erklärte er. Die widrigen Wetterverhältnisse könnten Krankheiten wie Covid-19 begünstigen und den vielen armen Menschen weiter zusetzen. Der UN-Generalsekretär äußerte sich auch besorgt über die andauernde Gewalt in Afghanistan. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani versprach weitere Anstrengungen seiner Regierung, um dem zerrissenen Land einen dauerhaften Frieden zu bringen.

Vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Donald Trump die Reduzierung der Truppen seines Landes am Hindukusch von derzeit 4.500 auf 2.500 Soldaten bis Mitte Januar angekündigt. Dies löste Befürchtungen vor einem Erstarken der Taliban aus. In einem Abkommen im Februar hatten die USA den Taliban den vollständigen Truppenabzug bis April 2021 zugesagt. Eine der Bedingungen dafür ist ein innerafghanisches Friedensabkommen.

Seit September verhandeln die Regierung Afghanistans und die Taliban, die weite Gebiete des Landes kontrollieren. In Afghanistan wurden laut UN im laufenden Jahr bis Oktober etwa 6.000 Zivilisten durch Gewalt getötet oder verletzt. Nahezu 300.000 Menschen sind gemäß den Angaben allein in diesem Jahr innerhalb des Landes geflüchtet. Afghanistan ist seit Jahrzehnten Schauplatz von Krieg, Gewalt, Terrorismus und Unterdrückung.