Afrika wartet auf erste Corona-Impfdosen

Frankfurt a.M./Genf - Angesichts einer beschleunigten Ausbreitung des Coronavirus in Afrika hoffen die Regierungen des Kontinents auf baldige Corona-Impfungen. Der Leiter der nigerianischen Gesundheitsbehörde, Faisal Shuab, sagte laut der Zeitung "This Day" vom Mittwoch, sein Land erwarte 42 Millionen Impfdosen über die Covax-Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 

Bis Ende Januar sollten 100.000 Dosen des Biontech-Pfizer-Serums eintreffen. Nigeria mit mehr als 200 Millionen Einwohnern hat bisher rund 93.000 Corona-Fälle und mehr als 1.300 Todesfälle gemeldet. Nach WHO-Angaben haben weltweit bereits mehr als 30 Länder damit begonnen, Risikogruppen in ihrer Bevölkerung gegen Covid-19 zu impfen.

1,3 Milliarden Impfdosen für 92 arme Länder

Die WHO vereinbarte über ihr Covax-Programm mit verschiedenen Pharmafirmen den Erwerb von zwei Milliarden Impfdosen für dieses Jahr, die praktisch für alle Länder verfügbar sein sollen. Schwerpunkt sind jedoch die 92 armen Länder, für die 1,3 Milliarden Dosen vorgesehen sind. Die WHO betont, sie wolle über die ersten zwei Milliarden Dosen hinaus weitere Einheiten liefern. Jeder Mensch in jedem Land müsse Zugang zu Vakzinen haben.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa hatte in der vergangenen Woche die Hoffnung geäußert, im zweiten Quartal Impfdosen über Covax für sein Land zu erhalten. Südafrika hat eine erste Zahlung von umgerechnet 15,6 Millionen Euro geleistet und verhandelt auch selbst mit Pharmafirmen über die Lieferung von Impfdosen bis Februar. Das Land hat die meisten Corona-Fälle in Afrika, mehr als 1,1 Millionen, und über 30.000 Tote gemeldet.

Täglich etwa 30.000 Neuinfektionen in Afrika

Afrika erlebt derzeit eine zweite, weitaus aggressivere Welle von Corona-Infektionen. Auf dem Kontinent würden nun täglich etwa 30.000 neue Infektionen gemeldet, Mitte Juli seien es 18.000 gewesen, sagte der Direktor des Afrikanischen Zentrums zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten, John Nkengasong, dem britischen Rundfunksender BBC. 

Dennoch ist die Zahl der in Afrika bekanntgewordenen Fälle verglichen mit anderen Teilen der Welt relativ niedrig. Allerdings sind auch die Testmöglichkeiten begrenzt. In ganz Afrika wurden dem Zentrum zufolge bisher knapp drei Millionen Corona-Fälle festgestellt, etwas mehr als in Großbritannien. 69.000 Menschen starben an oder nach einer Corona-Infektion. Staaten wie der Senegal, Ruanda, Simbabwe und die Demokratische Republik Kongo haben neue Beschränkungen erlassen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. 

Das Covax-Programm ist Teil des größeren Netzwerkes Act Accelerator, das unter Federführung der WHO gegründet wurde. Act Accelerator verfolgt das Ziel, weltweit die schnellstmögliche Bereitstellung von medizinischen Diagnoseinstrumenten, Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19 sicherzustellen. Besonders in Entwicklungsländern sollen die Menschen mit Heilmitteln und Vakzinen versorgt werden.