Open Doors: Corona-Krise verstärkt Druck auf verfolgte Christen

Kelkheim - Die Corona-Pandemie verschlimmert nach Beobachtung des christlichen Hilfswerks Open Doors die Situation von verfolgten Christen in Afrika und Asien. Sie seien häufig von Nothilfen ausgeschlossen und würden für die Pandemie verantwortlich gemacht, heißt es in dem am Mittwoch im hessischen Kelkheim veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2021. Die Pandemie lasse "wie ein Katalysator" bestehende Unterdrückung und Diskriminierung vielerorts zum Vorschein kommen. Durch die Corona-Pandemie werde zudem die soziale und wirtschaftliche Verwundbarkeit von Millionen von Christen, vor allem von Konvertiten, weltweit deutlich.

Vor allem zum Christentum konvertierte Menschen in Afrika und Indien berichteten, dass sie wegen Ausgangsbeschränkungen gezwungen seien, mit denen im Haus zu leben, die ihnen gegenüber ablehnend oder extrem feindlich gesinnt seien, so Open Doors. Diese Verwundbarkeit im häuslichen Bereich treffe vor allem Frauen und Kinder. Sie hätten nicht mehr die Möglichkeit, am Arbeitsplatz oder anderswo Misshandlungen zu entkommen. Durch den fehlenden Kontakt zu Glaubensgeschwistern habe zudem die "materielle, emotionale und geistliche Unterstützung durch die christlichen Gemeinden" abgenommen.

Christen in Nordkorea droht Hinrichtung oder Zwangsarbeit

Auf dem jährlich erscheinenden Weltverfolgungsindex steht zum 20. Mal in Folge Nordkorea auf Rang eins. Werden dort Christen entdeckt, drohe ihnen die Hinrichtung oder Zwangsarbeit bis zum Tod. In den mindestens vier Straflagern für politische Häftlinge hätten derzeit 50.000 bis 70.000 Christen Folter zu erleiden. Auf den Rängen zwei bis zehn folgen Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan, Eritrea, Jemen, Iran, Nigeria und Indien. Die Anzahl der zwischen Oktober 2019 und September 2020 dokumentierten Fälle von Christen, die aufgrund ihres Glaubens getötet wurden, habe sich von 2.983 im vorherigen Berichtszeitraum auf mindestens 4.761 erhöht, erklärte das Hilfswerk.

In den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex leben laut Open Doors etwa 760 Millionen Christen. Rund 309 Millionen von ihnen seien in einem sehr hohen bis extremen Maß Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Der Index basiert auf der Erhebung von dokumentierten Übergriffen auf Christen und Gemeinden in den einzelnen Ländern. Zusätzlich werden Fragebögen von ortsansässigen Forschern und externen Länderexperten ausgefüllt. Open Doors ist nach eigenen Angaben in über 60 Ländern aktiv. Der deutsche Zweig ist als Verein organisiert und wird vor allem von Freikirchen unterstützt.
 

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