Amnesty: Reiche Länder schaden sich mit Corona-Politik selbst

London/Frankfurt a.M. - Amnesty International hat die sieben führenden Industrienationen davor gewarnt, sich mit ihrer Corona-Politik "selbst ins Bein zu schießen". Sollten sie einen gerechten Zugang zu Impfstoffen gegen Covid-19 weilweit weiter verhindern, sei das nicht nur ein gravierendes moralisches Versagen, sondern schade ihnen letztlich selbst, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Freitag in London. Am Freitag beraten die G7-Staaten auf einer Videokonferenz über die Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen.

Die Versprechen der G7 klängen hohl angesichts der Tatsache, dass sie Initiativen für eine dezentralisierte und günstigere Impfstoff-Produktion blockierten, kritisierte Amnesty. Indien und Südafrika, die beide über eine florierende Pharmaindustrie verfügen, hatten in der Welthandelsorganisation (WTO) eine Aussetzung der Patente für Corona-Impfstoffe während der Pandemie vorgeschlagen, so dass weitere Länder und Unternehmen die Impfstoffe herstellen können. Der Vorstoß wird von zahlreichen Ländern unterstützt. "Auch hat kein G7-Staat die mit viel öffentlichem Geld finanzierten Impfstoff-Hersteller gedrängt, Wissen und Technologie über die Weltgesundheitsorganisation zu teilen und somit die Herstellung von mehr Impfungen zu ermöglichen", erklärte Amnesty-Experte Netsanet Belay.

Es sei empörend, dass die reichen Länder, die bereits einen Großteil der Impfungen horteten, andere davon abhielten, mehr von dieser lebensrettenden Arznei herzustellen, betonte Belay. Geld an die Impf-Plattform Covax zu geben reiche nicht aus. Und wie vorgeschlagen einen fünfprozentigen Anteil der eigenen Impfdosen mit armen Ländern zu teilen sei beleidigend wenig.

Laut Amnesty haben die G7-Staaten inklusive der EU sich über die Hälfte der Impfdosen gesichert, obwohl sie nur 13 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Einige Länder könnten mit der gesicherten Menge ihre Bevölkerung dreimal impfen. Die Hälfte der bereits verabreichten Impfungen sei an Menschen in diesen Ländern gegangen, während in 130 Ländern noch keine einzige Person geimpft worden sei.