Bericht: Kabila-Familie stahl Millionen aus Kongos Staatskasse

Frankfurt a.M. - Angehörige des früheren kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila haben Medienberichten zufolge über Jahre massiv aus der Staatskasse gestohlen. Zwischen 2013 und 2018 hätten Mitglieder der Familie Kabila und ihre Vertrauten mindestens 138 Millionen Dollar an öffentlichen Geldern abgezweigt, berichtete „Der Spiegel“ am Freitag auf Grundlage von geleakte Dokumenten einer gabunischen Bank.

Die Mitglieder des Kabila-Clans bedienten sich den Recherchen zufolge vor allem bei der Zentralbank des Landes, der staatlichen Minengesellschaft, dem nationalen Straßenbaufond und der Wahlkommission. Kabila war 18 Jahre lang Präsident der Demokratischen Republik Kongo und trat Anfang 2019 aufgrund internationalen Drucks ab.

Briefkastenfirmen und Vetternwirtschaft

Dokumente aus dem größten Datenleck Afrikas belegen dem Bericht zufolge, dass dutzende Millionen Dollar an öffentlichen Geldern an ein Firmengeflecht geflossen sind. In dessen Zentrum stehen der kongolesische Ableger der BGFI-Bank aus Gabun und eine Briefkastenfirma, über die Gelder aus der Staatskasse an den Kabila-Clan geflossen seien. Präsident Kabilas jüngere Schwester, Gloria Mteyu, hielt demnach zwei Fünftel der Anteile an der BGFI-Bank im Kongo, sein Adoptivbruder Francis Selemani war Geschäftsführer der Bank.

Die Recherche beruhen auf Dokumenten, die der „Plattform zum Schutz von Whistleblowern in Afrika“ (PPLAAF) und der französischen Onlinezeitung „Mediapart“ zugespielt worden waren. 100 Journalistinnen und Journalisten aus 18 Ländern werteten im Zuge der Recherche 3,5 Millionen Dokumente aus.

Korruption während Kabilas Amtszeit massiv gestiegen

Kabila war zum Zeitpunkt der Transaktionen Präsident des Kongo. Seine Amtszeit war zwar offiziell bereits Ende 2016 abgelaufen. Die Wahl wurde jedoch immer wieder verschoben und fand erst im Dezember 2018 statt. Kabila durfte laut Verfassung nicht erneut antreten, sein Vertrauter und Wunschkandidat, Ramazani Shadary, verlor die Abstimmung.

Kabila wird vorgeworfen, dass die Korruption während seiner Amtszeit gewaltige Ausmaße angenommen hat. Untersuchungen des Congo Research Projects der Universität von New York zeigten 2017, dass Kabila und seine Familie an mehr als 80 Firmen beteiligt war. Bevor Joseph Kabilas Vater und Vorgänger, der frühere Rebellenführer Laurent-Desire Kabila, 1997 an die Macht kam, lebte die Familie Medienberichten zufolge unter einfachen Umständen im Exil in Tansania.
 

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