Human Rights Watch kritisiert weitverbreitete Kinderehen in Nigeria

Frankfurt a.M./Abuja - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Nigeria vor, nicht genug gegen Kinderehen zu unternehmen. Die Regierung in Abuja und die Regionalregierungen der Bundesstaaten setzten bestehende Gesetze zum Schutz von Kindern nicht um oder wendeten sie nicht an, erklärte die Organisation am Montag in Abuja. Demnach hat das westafrikanische Land eine der höchsten Raten von Kinderehen in Afrika, obwohl ein Gesetz aus dem Jahr 2003 die Heirat von Kinder unter 18 Jahren verbietet.

Mehrere nördliche Bundesstaaten mit islamischem Rechtssystem hätten bisher die Altersgrenze nicht übernommen, teilte Human Rights Watch mit. Insgesamt hätten elf der 36 Bundesstaaten das Gesetz noch nicht umgesetzt. Die Kinderehen verletzten die Menschenrechte von Mädchen, weil sie durch Heirat oft den Zugang zu Bildung und Gesundheit verlören.

43 Prozent der Mädchen vor dem 18. Lebensjahr verheiratet

In mehreren Bundesstaaten im Norden Nigerias, der mehrheitlich von Muslimen bewohnt wird, existiert neben dem nigerianischen auch das islamische Scharia-Rechtssystem. Viele Familien in den traditionell geprägten Gemeinschaften zwingen Mädchen zur Hochzeit, um Stigmatisierung durch Teenagerschwangerschaften zu verhindern oder weil es Religion und Brauchtum angeblich verlangen.

Laut UN-Entwicklungsprogramm UNDP waren in Nigeria im Jahr 2020 insgesamt 43 Prozent der Mädchen verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt werden. In manchen nördlichen Bundesstaaten sind es laut der Kinderrechtsorganisation Save the Children 78 Prozent der Mädchen und jungen Frauen.
 

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