Welthungerhilfe: Beben in Afghanistan neue Katastrophe für das Land

Frankfurt a.M., Kabul - Das Erdbeben in Afghanistan mit Hunderten Toten verschärft Helfern zufolge die ohnehin schon drastische Not. „Afghanistan befindet sich in einer dramatischen Gesamtlage“, sagte der Landesdirektor der Welthungerhilfe in Afghanistan, Thomas ten Boer, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Dieses Erdbeben trifft das angeschlagene Land schwer und ist eine Katastrophe mehr zu den bestehenden.“

Rund 95 Prozent der Bevölkerung - etwa 20 Millionen Menschen - wüssten nicht, wie sie sich ernähren sollen, erklärte ten Boer. Hinzu komme, dass Tausende Menschen aus dem Iran nach Afghanistan zurückkämen und auch untergebracht sowie versorgt werden müssten. Die Wirtschaft liege brach, die Versorgungslage sei generell sehr schwierig. Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban im Sommer vergangenen Jahres hatte sich humanitäre Lage in Afghanistan immer weiter verschärft.

Ausmaß der Schäden noch nicht sichtbar

Das Beben in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion treffe Afghanistan nun umso mehr, erklärte ten Boer. Derzeit sei das Ausmaß der Schäden und die Anzahl der betroffenen Menschen noch nicht in vollem Umfang sichtbar. „Aber klar ist, dass das Land die Auswirkungen mit eigenen Kräften kaum bewältigen kann“, sagte er. Das betreffe die unmittelbare Katastrophenhilfe, aber auch den Wiederaufbau und die medizinische Versorgung: „Einmal mehr trifft es Menschen, die aus dem Blickfeld geraten sind.“

Ein heftiges Beben hatte in der Nacht zum Mittwoch den Osten Afghanistans in der Grenzregion zu Pakistan erschüttert. Bis Mittwochnachmittag gingen die Behörden von mehr als 900 Toten und rund 600 Verletzten aus, wie der afghanische Sender Tolo News meldete. Es wurde aber mit einer weiter steigenden Zahl der Opfer gerechnet.