Amnesty: Benzin-Lieferungen tragen zu Kriegsverbrechen in Myanmar bei

London/Yangon (epd). Angesichts systematischer Luftangriffe durch Myanmars Militärjunta gegen die Zivilbevölkerung fordern Menschenrechtler einen Stopp der Lieferketten für Flugbenzin. In einem Bericht vom Donnerstag kritisiert Amnesty International, dass solche Lieferungen ausländischer Firmen zu Kriegsverbrechen in dem südostasiatischen Land beitrügen. Die internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass diese Schiffsladungen die Militärs nicht erreichten, fordert die Organisation.

Die Dokumentation „Tödliche Fracht“ entstand in Zusammenarbeit mit Organisationen wie „Justice for Myanmar“ und „Burma Campaign UK“. Zwischen März 2021 und August 2022 dokumentierte Amnesty dabei 16 Luftangriffe in den östlichen Bundesstaaten Karenni und Karen, im westlichen Chin-Staat sowie dessen benachbarter Sagaing-Region. In mindestens zwei Fällen sei international geächtete Cluster-Munition eingesetzt worden. „Diese Luftangriffe haben Familien zerstört, Zivilisten terrorisiert und die Opfer getötet und verstümmelt“, kritisiert Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard. Zuletzt wurden Ende Oktober im nördlichem Kachin-Staat etwa 80 Menschen durch Bombardements der Junta getötet.

Die Menschenrechtler listen in ihrem Bericht mindestens acht gesonderte Verschiffungen seit dem Putsch vom 1. Februar 2021 bis Mitte September dieses Jahres auf. Von Zulieferern, Spediteuren, Schiffseignern und maritimen Versicherungsunternehmen fordert Amnesty, sich aus Lieferketten zurückzuziehen, die Myanmars Luftwaffe begünstigen.

Als einen zentralen Akteur nennen die Menschenrechtler Puma Energy, größtenteils im Besitz des globalen Rohstoffhandels-Giganten Trafigura. Den Angaben nach war Puma Energy seit 2015 als wichtigstes ausländisches Unternehmen an Transport, Lagerung und Verteilung von Flugbenzin in Myanmar beteiligt. Puma Energy habe erklärt, sich seit Februar 2021 bis 5. Oktober 2022 auf die Bereitstellung von Flugbenzin für zivile Zwecke beschränkt zu haben, führte Amnesty weiter an. Die Ergebnisse des Berichts lieferten den Menschenrechtlern zufolge ein anderes Bild. Derweil habe Puma Energy den Rückzug aus dem Land und den Verkauf seines Myanmar-Geschäfts bekannt gegeben - an ein nicht genanntes „lokales Privatunternehmen.“

In dem Bericht führt Amnesty International als weitere beteiligte Firmen auch Singapore Petroleum Company Ltd. (SPC), den russischen Konzern Rosneft, Chevron Singapore sowie Thai Oil auf. Genannt wird außerdem der US-Ölmulti ExxonMobil. Auf Amnesty-Anfrage hätten sich Vertreter von Rosneft, Chevron und Thai Oil auf Zusicherungen berufen, die Lieferungen seien nur für zivile Zwecke bestimmt, hieß es. Thai Oil habe weiter erklärt, den Verkauf von Flugbenzin an Myanmar zu unterbrechen, „bis kein solches Problem mehr besteht“.