USA-Europa: Städtepartner in schwierigen Zeiten

Washington. Mehr als 200 Partnerschaften verbinden Städte und Gemeinden in Deutschland mit den USA - die meisten Städtepartnerschaften außerhalb Europas. Die erste wurde bereits 1947 zwischen dem baden-württembergischen Crailsheim und Worthington geschlossen.

Die Städtepartnerschaft zwischen Pinneberg in Schleswig-Holstein und Rockville im US-Bundesstaat Maryland wurde 1957 begründet und gehört damit zu einer der ältesten in Deutschland. Sie geht auf das 1956 von Präsident Dwight D. Eisenhower ins Leben gerufene „People‑to‑People Citizenship Diplomacy Program“ zurück, das Begegnungen von Mensch zu Mensch fördern sollte. Vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege wollte man Brücken zwischen den Völkern bauen, Austausch und Kontakte fördern, sagt der Vorsitzende der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Rockville-Pinneberg (DAGRP), Christian Jessen-Klingenberg.

Heute, fast 70 Jahre später, ist die Partnerschaft in beiden Städten fest im Bewusstsein der Bürger verankert. Entscheidend sind die Vereine. Diese wurden gegründet, um über offizielle Anlässe hinaus Möglichkeiten für Begegnung zu schaffen und die „people-to-people“-Idee mit Leben zu füllen. Die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft Rockville-Pinneberg wurde 1984 gegründet, die Rockville Sister Cities Corporation (RSCC) 1986.

Komplizierte Visavergabe

Regelmäßig besuchen Delegationen die Partnerstädte - so feierte man erst im Spätsommer 2025 zusammen das 150. Jubiläum der Stadtrechte Pinnebergs. Es gibt einen Austausch auf offizieller Ebene, zwischen den Freiwilligen Feuerwehren, Schüler- und Seniorengruppen, Sportvereinen und Musikschulen. Auch bei individuellen Austauschaufenthalten unterstützt die DAGRP im Rahmen ihrer Möglichkeiten - allerdings setzen die immer komplizierteren Visumbestimmungen auf beiden Seiten des Atlantiks hier auch deutliche Grenzen der Möglichkeiten.

Während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump blieben die Beziehungen zwischen den Städten weitestgehend stabil. Nicht nur in Pinneberg, sondern deutschlandweit. Die Verbindung zwischen Heidelberg und Palo Alto beispielsweise festigte sich sogar noch, denn aus der bestehenden Zusammenarbeit wurde 2017 eine offizielle Städtepartnerschaft.

Bisher keine Partnerschaft Oldenburg-Des Moines 

Während der zweiten Amtszeit von Trump wollte auch die Stadt Oldenburg in Niedersachsen eine Partnerschaft eingehen. Des Moines im Bundesstaat Iowa wurde für die Verbindung ausgesucht. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) besuchte mit einer Delegation im Juli die Region, ein Gegenbesuch blieb aber bislang aus. Grund: Das Echo aus dem Oldenburger Rat ist schlecht. „Es gibt starke Vorbehalte bis hin zu völliger Ablehnung“, sagt Pressesprecher Stephan Onnen. Die Verwaltung hatte ein Papier vorgelegt, das einen Rahmen für die internationale Zusammenarbeit in den kommenden Jahren schaffen sollte, ein Beschluss darüber wurde nun wiederholt vertagt. Nach wiederholten Vertagungen wirkt das Projekt derzeit ausgebremst.

Dabei hatte die Suche nach einer neuen Partnerstadt schon vor sechs Jahren begonnen. Nach vielen Gesprächen, unter anderem mit dem Generalkonsulat in Hamburg und dem Iowa-Büro in Frankfurt, sei Des Moines als geeignete Wahl identifiziert worden. Doch von den Grünen, der „Gruppe für Oldenburg“ und BSW kommt Kritik: Eine Partnerschaft mit einer US-amerikanischen Stadt sei aktuell das falsche Signal. Andere Stimmen betonen, dass gerade in heutigen Zeiten eine Partnerschaft mit den USA wichtig sei und Oldenburg davon wirtschaftlich und kulturell profitieren könne.

Beziehungen auch in schwierigen Zeiten pflegen

Dem würde Christian Jessen-Klingenberg in Pinneberg wohl zustimmen. Der Stellenwert der Partnerschaft zwischen Rockville und Pinneberg sei heute vielleicht wichtiger als je zuvor. Diese Städtepartnerschaft sei ins Leben gerufen worden, um Brücken zu bauen, die auch und gerade in politisch schwierigen Zeiten Bestand haben: „Und jetzt sind wir in politisch schwierigen Zeiten - und deshalb sind wir davon überzeugt, dass es auch auf uns ankommt, die zwischenmenschlichen Beziehungen über den Atlantik hinweg zu pflegen und den Draht nicht abreißen zu lassen.“

Natürlich spiele die Politik eine Rolle. „Wir kennen auch Erwachsene, die eine Reise in die USA zurückgestellt haben, und wir spüren an der einen oder anderen Stelle eine gewisse Skepsis, wenn wir uns als 'Deutsch-Amerikanische Gesellschaft Rockville- Pinneberg' vorstellen“, sagt Jessen-Klingenberg. Trotz aller Sorge blicken er und seine Mitstreiter aber mit Zuversicht und Optimismus in die Zukunft: „Wir betonen immer wieder, dass wir Beziehungen zu einer Stadt und ihren Menschen haben, nicht zur amerikanischen Regierung und auch nicht zum Staat Maryland.“

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