Berlin/Barcelona. Nach der militärischen Intervention der USA in Venezuela sieht der venezolanische Politikwissenschaftler Luis Remiro kaum Anzeichen für einen baldigen Regimewechsel. „Mit Delcy Rodríguez hat die zivile Elite des Chavismus die Macht übernommen“, sagte Remiro dem Evangelischen Pressedienst (epd) und bezog sich damit auf das vom früheren Präsidenten Hugo Chávez etablierte Herrschaftssystem. Die Unterdrückung der Zivilgesellschaft werde unter Rodríguez fortgesetzt. „Die Repression wird bleiben, nun aber mit der Präsenz US-amerikanischer Unternehmen.“
Die USA hatten am Wochenende bei einer Militäroperation Venezuelas bisherigen Staatschef Nicolás Maduro gefangengenommen und in die USA gebracht. Daraufhin wurde die bisherige Vizepräsidentin Rodríguez vom Obersten Gerichtshof vorerst als Nachfolgerin Maduros eingesetzt. Die Vereinigten Staaten werfen Maduro Drogenhandel vor. Zugleich hatte US-Präsident Donald Trump eine Ausweitung der Ölförderung durch US-amerikanische Unternehmen in Aussicht gestellt.
Machado hat zu sehr auf die USA gesetzt
Einen baldigen demokratischen Wandel in Venezuela oder eine Machtübernahme des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Edmundo González hält Remiro für unwahrscheinlich. González war 2024 bei den Präsidentschaftswahlen gegen Maduro angetreten und wurde von der Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Machado unterstützt. Maduro wurde nach offensichtlich gefälschten Wahlen zum Sieger erklärt. Die USA und weitere Staaten erkannten die Wahlergebnisse nicht an.
„Machado hat sich zu stark darauf konzentriert, die Unterstützung der USA zu gewinnen“, sagte Remiro, der an der Autonomen Universität Barcelona lehrt. Dabei habe sie mögliche Allianzen mit der venezolanischen Machtstruktur ausgeschlossen. US-Präsident Trump erklärte am Samstag auf Nachfrage, Machado habe zu wenig Rückhalt in Venezuela.
Das Militär ist stark nationalistisch
Offen bleibe, wie sich die Macht innerhalb des Regimes künftig verteile, sagte Remiro. Insbesondere das Militär sei stark nationalistisch geprägt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dauerhaft eine Vorherrschaft der USA dulden wird.“