Frankfurter Friedensaktivist Ulrich Gottstein gestorben

Berlin, Frankfurt a. M. Die deutsche Sektion der Ärztevereinigung zur Verhütung eines Atomkrieges (IPPNW) trauert um ihren Mitbegründer Ulrich Gottstein. Der frühere Frankfurter Chefarzt und langjährige Friedensaktivist starb am 30. Dezember im Alter von 99 Jahren, wie die Vereinigung am Dienstag in Berlin mitteilte. Deren Vorstand hatte er über zehn Jahre lang angehört und in dieser Eigenschaft zahlreiche Krisengebiete besucht sowie Regierungsvertreter der Atomwaffen-Staaten getroffen.

„Gottstein war leidenschaftlich von der Möglichkeit und der Kraft der Versöhnung überzeugt“, heißt es im Nachruf der IPPNW-Vorsitzenden Angelika Claußen und Lars Pohlmeier. Für die Ärztevereinigung sei er immer ein Vorbild darin gewesen, „wie Humanität, medizinische Ethik und medizinisches Wissen zusammengebracht werden können“.

Als junger Mann selbst in Frankreich gekämpft

Der gebürtige Stettiner hatte im Zweiten Weltkrieg noch selbst in Frankreich gekämpft und war in britische Kriegsgefangenschaft geraten. Von 1971 bis 1991 leitete Gottstein als Chefarzt für Innere Medizin das Frankfurter Bürgerhospital. Er gab den Anstoß zur Errichtung des Evangelischen Hospitals für Palliativmedizin, eines der ersten seiner Art in ganz Deutschland. Anfang der 1980er Jahre hatte Gottstein Kontakte zu den Initiatoren der IPPNW geknüpft, einer mitten im Kalten Krieg ursprünglich von amerikanischen und sowjetischen Ärztinnen und Ärzten gegründeten Initiative.

Gottstein besuchte Hiroshima und das sowjetische Atomwaffen-Testgelände in Kasachstan, organisierte auch Hilfstransporte für Kriegsopfer in Jugoslawien oder im Irak. Als die Organisation 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, hielt er in Oslo eine Dankesrede. Erneut war er bei der Preisverleihung dabei, als die Auszeichnung 2017 an die von IPPNW gestartete „Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen“ (Ican) ging. Zuletzt lebte der Mediziner in Kronberg im Taunus.

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