Danach gibt es im Agrar- und Ernährungssektor eine immer stärker werdende Marktkonzentration mit Folgen für Politik und Verbraucher. Wenige Konzerne diktierten die Preise, von Saatgut und Pestiziden bis zum Lebensmitteleinzelhandel, und beeinflussten politische Entscheidungen, kritisierten die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre als Herausgeber am Mittwoch in Berlin.
Vier Konzerne liefern die meisten Agrar-Inputs weltweit
In dem „Konzernatlas“ werden Fakten und Grafiken zur globalen Agrar- und Lebensmittelindustrie vorgestellt. So kontrollierten weltweit vier Konzerne 61 Prozent des Pestizidmarkts, 56 Prozent des Saatguts und 43 Prozent der Landmaschinen. In Deutschland beherrschten die vier großen Supermarktketten Aldi, Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland rund 88 Prozent des Lebensmittelhandels.1995 lag ihr Marktanteil noch bei 55 Prozent. Zugleich sei die Zahl der Handwerksbäckereien hierzulande seit 1950 um fast 60 Prozent geschrumpft, während wenige Großbetriebe drei Viertel des Umsatzes kontrollierten.
Parallel wachse der politische Einfluss der Branche, heißt es weiter. Neun Lobbyorganisationen hätten zwischen 2020 und 2023 mehr als 50 Millionen Euro ausgegeben, um eine 50-prozentige Pestizidreduktion in der EU erfolgreich zu verhindern. Die weltweit fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne lobbyierten zudem gegen umfangreiche Berichtspflichten über ihre Emissionen. Hintergrund sei, dass sie zusammen so viele Treibhausgase ausstießen wie die Ölkonzerne BP oder Shell.