Würzburg - Fast 500 neue Lepra-Fälle pro Tag, mehr als 172.000 im Jahr: Allein die gemeldeten Zahlen zeigen laut Deutscher Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), dass die aus biblischen Zeiten bekannte Krankheit noch längst nicht besiegt ist. Dazu wird eine hohe Dunkelziffer angenommen. Zum Welt-Lepra-Tag an diesem Sonntag ruft die DAHW zum stärkeren Einsatz gegen die vergessene Krankheit auf.
Dass sich die eigentlich heilbare Lepra noch immer verbreitet, schreibt die Hilfsorganisation mit Sitz in Würzburg vor allem mangelndem Wissen gepaart mit Vorurteilen zu. Lepra sei extrem stigmatisiert, erklärte Bildungsreferentin Saanika Amembal. „Viele trauen sich nicht, zum Arzt zu gehen, weil sie befürchten, ausgegrenzt zu werden.“ Das führe auch zu einer vermutlich hohen Dunkelziffer.
Lebenslange Behinderungen und soziale Ausgrenzung
Wird die Krankheit nicht erkannt und behandelt, wird einerseits die Infektionskette nicht durchbrochen, andererseits kommt es bei den Infizierten zu Entzündungen und den typischen Verstümmelungen. Unter lebenslangen Behinderungen nach einer Infektion leiden laut DAHW weltweit rund drei Millionen Menschen. Auch sie werden teils immer noch sozial ausgegrenzt und stigmatisiert. Wenn hingegen rechtzeitig Antibiotika eingenommen werden, ist die bakterielle Krankheit ohne dauerhafte Behinderungen heilbar.
Lepra gilt als Krankheit der Armut. Sie treffe Menschen, die oft keinen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung, zu Diagnose und Behandlung hätten, erklärte die DAHW. Eine Lepra-Erkrankung wiederum bedeute für die meisten Betroffenen aufgrund der sichtbaren Behinderungen, sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung ein Leben in Armut.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Lepra zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten. Nahezu alle Neuinfektionen treten in Entwicklungs- und Schwellenländern auf.