Frankfurt a.M., Al-Qamishli - Die humanitäre Situation in den kurdischen Gebieten in Syrien ist nach Einschätzung von medico international „extrem angespannt“. In den Nordosten hätten sich rund 150.000 Vertriebene geflüchtet, jüngst auch aus den kurdischen Stadtteilen von Aleppo, sagte die Syrienreferentin der Hilfsorganisation, Anita Starosta, am Freitag im syrischen Al-Qamishli. Allein in der Stadt lebten rund 20.000 Flüchtlinge in 130 Notunterkünften, die Menschen hätten kollektive Traumata erlitten.
In den vergangenen Wochen habe es Angriffe der bewaffneten Kräfte der Regierung gegen die kurdische Minderheit gegeben, sagte Projektkoordinator Ossama Mohammad. Kurdische Zivilisten auf der Flucht seien getötet worden. In syrischen Medien gebe es Hassreden gegen Kurden. Auch Christen fürchteten um ihr Leben. Unter den bewaffneten Kräften der Regierung gebe es radikale Gruppen, die auf der Terrorliste der USA stünden. Flaggen des Islamischen Staats (IS) seien wieder zu sehen, viele IS-Häftlinge seien nach dem Rückzug der Kurden aus Gefängnissen freigekommen.
Sicherheitsgarantien für Abkommen angemahnt
Skeptisch äußerte sich medico international zu einem am Freitag verkündeten Abkommen. Es sehe eine Integration des kurdischen Nordostens in den Staat und eine Übernahme der Kontrolle durch die bewaffneten Kräfte der Übergangsregierung vor, sagte Starosta. „Es wird darauf ankommen, ob es tatsächlich Sicherheitsgarantien für das Abkommen geben wird“, sagte sie. „Es gibt große Befürchtungen, dass gewonnene Rechte für die kurdische Bevölkerung abgegeben werden und die Garantien nicht halten werden.“