Abuja/Frankfurt am Main - Nach einem Terrorangriff mit mindestens 162 Todesopfern hat Nigerias Präsident Bola Tinubu die Entsendung zusätzlicher Truppen in den Bundesstaat Kwara angeordnet. Dies berichtete die nigerianische Zeitung „Vanguard“ am Donnerstag. Bei dem am Dienstag verübten Massaker handelt es sich um den tödlichsten bewaffneten Angriff in dem westlichen Bundesstaat in diesem Jahr. Die Tat wird einer dschihadistischen Miliz zugeschrieben, genauere Angaben wurden bislang nicht gemacht.
Nach Augenzeugenberichten hatten die Täter die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes Woro zusammengetrieben, gefesselt und hingerichtet. Zudem wurden dem Bericht zufolge Häuser und Geschäfte in Brand gesetzt. Zuvor hatten die Bewaffneten in der Gemeinde gepredigt und die Bevölkerung aufgefordert, der nigerianischen Staatsordnung abzuschwören und sich dem islamischen Recht der Scharia zu unterwerfen. Nachdem die Bevölkerung dies abgelehnt hatte, sei das Feuer eröffnet worden.
82 entführte Christinnen und Christen wieder frei
Vor allem im Nordwesten Nigerias verüben bewaffnete Gruppen immer wieder Angriffe und Massenentführungen. Verantwortlich sind nicht nur radikalislamische Gruppen, sondern auch kriminelle Banden, die hohe Lösegeld-Summen erpressen wollen. So waren am 18. Januar 177 Christinnen und Christen während eines Gottesdienstes im zentralnigerianischen Bundesstaat Kaduna entführt worden. Laut „Vanguard“ wurden nun 82 von ihnen freigelassen.
Aufgrund der anhaltenden Entführungen und Angriffe sieht sich Nigeria mit dem Vorwurf konfrontiert, seine christliche Bevölkerung nicht ausreichend zu schützen. US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember gar mit militärischem Eingreifen gedroht. Nigerias Regierung wehrt sich unter Verweis auf die schlechte Sicherheitslage für die gesamte Bevölkerung gegen den Genozid-Vorwurf. Mittlerweile besteht eine militärische Zusammenarbeit mit den USA gegen den Terrorismus.