Hannover, Frankfurt a.M. - Der menschenrechtswidrige Eingriff der weiblichen Genitalverstümmelung wird laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung immer häufiger von medizinischen Fachkräften vorgenommen. Dadurch drohe die Praxis gesellschaftlich akzeptiert zu werden, erklärte die Vorständin der Organisation, Angela Bähr, am Donnerstag in Hannover zum Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist medizinisches Personal inzwischen an jeder vierten Genitalverstümmelung beteiligt.
Weltweit leben der WHO zufolge rund 230 Millionen Mädchen und Frauen, deren Genitalien verstümmelt wurden, und jährlich kommen vier Millionen dazu. Nach Recherchen des europäischen Netzwerks „End FGM“ ist der Eingriff, der auf Englisch als „female genital mutilation“ bezeichnet und mit FGM abgekürzt wird, mittlerweile in 94 Ländern dokumentiert. Das seien deutlich mehr Länder als bisher angenommen, erklärte die Stiftung Weltbevölkerung. Nur 58 Staaten verfügten über Gesetze, die die Praxis ausdrücklich verbieten. Auch in Deutschland leben zehntausende Opfer dieser Menschenrechtsverletzung.
Bei Eingriff durch Fachpersonal tiefere Schnitte
Bei einer weiblichen Genitalverstümmelung werden bei Mädchen meist vor der Pubertät die äußeren Geschlechtsorgane teilweise oder vollständig entfernt. Oft erfolgt der Eingriff unter unhygienischen Bedingungen mit Rasierklingen oder Scherben. Die Beschnittenen leiden teils lebenslang an den psychischen Folgen und chronischen Schmerzen, beispielsweise beim Wasserlassen oder während der Menstruation.
Der Schaden, den weibliche Genitalverstümmelung verursacht, sei unabhängig davon, wer sie vornehme, betonte Bähr. Vermeintlich hygienische und meist teure Beschneidungen durch Fachpersonal änderten daran nichts. Im Gegenteil: Studien deuten laut WHO darauf hin, dass sie sogar gefährlicher sein können, weil dabei manchmal schwerere Schnitte vorgenommen würden.