Mali: Herausgeber wegen kritischem Artikel in Zeitung festgenommen

Ein Zeitungs-Herausgeber ist in Mali festgenommen worden, weil in seiner Publikation Kritik am Junta-Chef des Nachbarlands Niger erschien. Der Autor des Artikels lebt im Exil.

Frankfurt am Main, Bamako - Wegen Kritik am Junta-Chef des Nachbarlands Niger in seiner Publikation ist in Mali ein prominenter Journalist festgenommen worden. Der Herausgeber der Zeitung „L' Alternance“, Youssouf Sissoko, sei seit Donnerstag in Untersuchungshaft, berichtete das Nachrichtenportal „Maliweb“ am Freitag. Ihm werde „Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes“, „Verletzung der Glaubwürdigkeit des Staates“ und die „Verbreitung falscher Informationen“ vorgeworfen.

Wie der französische Sender RFI berichtete, war in der jüngsten Ausgabe von „L' Alternance“ ein Artikel des politischen Analysten Sambou Sissoko erschienen, der Aussagen des nigrischen Militärpräsidenten Abdourahamane Tiani zum Angriff auf den Flughafen der Hauptstadt Niamey vergangene Woche anzweifelte. Sissoko, der offen die Militärregierungen der Region kritisiert und deshalb im Exil lebt, warf Tiani demnach vor, ausländische Staatschefs für den Angriff verantwortlich zu machen. Der „Islamische Staat“ hat sich zu der Attacke bekannt.

Medien durch Militärregierung unter Druck

Den Berichten zufolge wird Herausgeber Sissoko derzeit im Zentralgefängnis von Malis Hauptstadt Bamako festgehalten und soll am 9. März vor Gericht gestellt werden. Der malische Verband der privaten Presseverleger (ASSEP) bekundete seine Solidarität mit dem Medienschaffenden und kritisierte die Festnahme. Laut dem Präsidenten des Presseverbandes verstößt diese gegen die Gesetze, die die Ausübung des Journalistenberufs in Mali regeln.

Immer wieder werden in Mali Journalisten von der seit nunmehr fünf Jahren regierenden Militärjunta verhaftet. Auch Politiker und Aktivisten, die sich kritisch äußern, sind Repressionen ausgesetzt. Zahlreiche nationale und internationale Medien wurden über die Jahre suspendiert, darunter RFI, France24 und seit Januar zuletzt auch die Zeitung „Jeune Afrique“. Längst betrifft die Zensur nicht mehr nur Artikel, die das eigene Land kritisch beleuchten, sondern auch die Nachbarregime in Niger und Burkina Faso. Die drei Länder hatten sich 2023 zum Regionalverbund Allianz der Sahel-Staaten (AES) zusammengeschlossen.

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