Dakar - Nach der Niederschlagung von Studentenprotesten im Senegal sind 106 von insgesamt 109 Inhaftierten wieder auf freiem Fuß. Dies berichtete der französische Sender RFI am Donnerstag. Die jungen Frauen und Männer waren am Montag bei Demonstrationen an der Universität Cheikh-Anta-Diop (UCAD) in der Hauptstadt Dakar festgenommen worden. Ein Student starb beim Durchgreifen durch die Behörden.
Drei Festgenommene, die von den Behörden verdächtigt werden, eine zentrale Rolle in der Organisation der Proteste gehabt zu haben, bleiben dem Bericht zufolge weiter in Haft. Ihnen wird die Störung der öffentlichen Ordnung, Teilnahme an einer nicht angemeldeten Demonstration, Zerstörung von öffentlichem und privatem Eigentum sowie Vandalismus und Gewalt vorgeworfen.
Stipendien seit einem Jahr nicht ausgezahlt
Seit Ende November protestieren die Studierenden für bessere Lebensbedingungen, unter anderem, weil die staatlichen Stipendien und Unterstützungsleistungen seit einem Jahr nicht ausgezahlt worden seien. Am Montag waren die Proteste eskaliert, als Sicherheitskräfte in den Campus eindrangen und die dort streikenden jungen Menschen gewaltsam festnahmen. Diese hatten sich geweigert, für Essensmarken der Universitätsmensa zu bezahlen.
Innenminister Mouhamadou Bamba Cissé rechtfertigte das Eingreifen der Ordnungskräfte mit dem Schutz der Infrastruktur auf dem Campus. Die Regierung wirft den Demonstrierenden vor, unter dem "Einfluss der Opposition” zu stehen.
Vor knapp zwei Jahren gewann die damals oppositionelle Partei Pastef von Präsident Bassirou Diomaye Faye und Ministerpräsident Ousmane Sonko die Wahlen mit den Stimmen der Jugend und brachte eine große Aufbruchsstimmung mit sich. Sie wollte das alte Regime ablösen und für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen. Die Aufbruchsstimmung weicht immer mehr der Ernüchterung, weil sich die wirtschaftliche Lage für viele Menschen im Land verschlechtert.