Unicef: Jedes dritte Kind in der Ukraine auf der Flucht

Russische Angriffe, kein Wasser und Strom, Angst und Hoffnungslosigkeit: Millionen Kinder und Jugendliche in der Ukraine trifft der Krieg ins Mark. Ein Drittel der Minderjährigen hat er laut Unicef in die Flucht geschlagen - oft mehrfach.

Genf, Köln - Nach vier Jahren Krieg in der Ukraine ist laut Unicef mehr als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen des Landes auf der Flucht. Mehr als 791.000 seien innerhalb des Landes vertrieben, rund 1,8 Millionen hätten im Ausland Zuflucht gesucht, erklärte das UN-Kinderhilfswerk am Dienstag vor dem vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskriegs.

Insgesamt haben damit Unicef zufolge nahezu 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in der Ukraine ihr Zuhause verloren. „Auch vier Jahre nach Beginn dieses unerbittlichen Krieges ist noch immer jedes dritte Kind auf der Flucht“, erklärte Regina De Dominicis, Unicef-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien. „Für Kinder in der Ukraine wird es aufgrund der anhaltenden Angriffe auf Wohngebiete im ganzen Land immer schwieriger, Schutz zu finden. In vielerlei Hinsicht holt der Krieg diese Kinder immer wieder ein.“

Hoffnung auf Zukunft in der Ukraine schwindet

Viele Minderjährige mussten Unicef zufolge bereits mehrfach aus ihrer Heimat fliehen: In einer kürzlichen Umfrage habe ein Drittel der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren angegeben, mindestens zweimal geflohen zu sein. Durch Angriffe seien seit dem 24. Februar 2022 mehr als 3.200 Kinder getötet oder verletzt worden. Dabei sei im vergangenen Jahr die Zahl der getöteten und verletzten Kinder gegenüber 2024 um zehn Prozent gestiegen. Das sei ein Anstieg im dritten Jahr in Folge.

Die jüngsten Angriffe auf die Energieinfrastruktur hätten zudem Millionen Kinder und Familien in eine lebensbedrohliche Lage gebracht, erklärte Unicef. Bei eisigen Temperaturen müssten sie teils tagelang ohne Heizung, Strom und Wasser auskommen. Gleichzeitig gerieten medizinische Einrichtungen durch die Angriffe und die eingeschränkte Energieversorgung zunehmend unter Druck. Auch die psychischen Belastungen nähmen immer mehr zu. In einer Umfrage vor Kurzem habe sich gezeigt: Rund ein Viertel der 15- bis 19-Jährigen verlören die Hoffnung auf eine Zukunft in der Ukraine.

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