Peru: Präsident José Jeri seines Amtes enthoben

Nach einem Korruptionsskandal warf der Kongress dem Präsidenten vor, seines Amtes nicht würdig zu sein. Innerhalb einer Amtszeit erhält Peru nun seinen vierten Präsidenten.

Berlin/Lima - Nach nur vier Monaten im Amt hat das Parlament in Peru Präsident José Jeri seines Amtes enthoben. Am Dienstagnachmittag (Ortszeit) stimmten 75 der 102 anwesenden Abgeordneten in einer eigens einberufenen Sitzung einem Misstrauensantrag gegen Jeri zu. Der Kongress debattierte dabei sieben verschiedene Anträge, die dem Präsidenten alle vorwarfen, seines Amtes nicht würdig zu sein.

Anfang des Jahres war bekannt geworden war, dass sich Jeri mehrmals im Geheimen mit einem in Peru wohnhaften Unternehmer aus China getroffen hatte, der mehrere Staatsaufträge ausführte. Eine Amtsnachfolge soll kurzfristig bestimmt werden.

Opposition: Präsident gefährdet Stabilität des Landes

Während der Debatte erklärte der oppositionelle Abgeordnete Edward Málaga: „Der Präsident hat alle Eintrittskarten gekauft, um seines Amtes enthoben zu werden.“ Durch sein Verhalten habe Jeri die Stabilität des Landes gefährdet. Der Vizepräsident des Kongresses, Illich López, entgegnete derweil, man solle kurz vor den Wahlen keine erneute Krise erzeugen. Jeri selbst wurde zur Debatte nicht eingeladen. Er äußerte sich nicht zu den Vorwürfen und zur Absetzung.

Jeri war erst im Oktober durch einen Misstrauensantrag gegen die damals amtierende Präsidentin Dina Boluarte ins Amt gekommen. Boluarte war vorgeworfen worden, nicht ausreichend gegen die in Peru herrschende Gewalt und Kriminalität vorzugehen. Als Präsident des Kongresses sollte Jeri das Amt bis zu den Wahlen im April 2026 fortführen. Trotz der Ausrufung des Ausnahmezustands in der Hauptstadt Lima hatte sich die Sicherheitslage im Land nicht verbessert.

Instabile Regierung und Korruptionsskandale

Peru erhält nun innerhalb einer regulären Amtszeit seinen vierten Präsidenten. Der 2021 gewählte Präsident Pedro Castillo war bereits 2022 abgesetzt worden, nachdem dieser versucht hatte, den Kongress aufzulösen. Peru durchlebt eine tiefe politische Krise, die durch fehlende Regierungsstabilität, aufeinanderfolgende Korruptionsskandale und mangelndes Vertrauen in die Politik geprägt ist. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Estudios Peruanos“ vom Januar 2026 glauben nur elf Prozent der Befragten, dass sich durch die Wahlen im April die Situation des Landes deutlich verbessern wird.

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