Nobelpreisträger Mukwege kritisiert westliche Doppelmoral im Kongo

Die weltweite Gier nach seltenen Rohstoffen verhindert nach Überzeugung des Friedensnobelpreisträgers Denis Mukwege ein Ende der Gewalt im Kongo. In Mainz forderte er Strafmaßnahmen gegen das für die Gräuel mitverantwortliche Ruanda.

Mainz - Der kongolesische Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege hat eine Doppelmoral des Westens beim Umgang mit dem Krieg in seinem Heimatland angeprangert. Ein Frieden im Kongo sei unmöglich, solange wirtschaftliche Interessen mehr zählten als Menschenrechte, sagte er am Mittwochabend bei einem Besuch in der Universität Mainz. Die mit Unterstützung des Nachbarlandes Ruanda operierenden Rebellen hätten inzwischen staatliche Parallelstrukturen in den eroberten Gebieten aufgebaut. Es handele sich um einen „Angriffskrieg“, aber es gebe ganz anders als nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, keinerlei Sanktionen des Westens.

„Die schockierende Kultur der Straflosigkeit für die allerschlimmsten Verbrechen hat den weltweit höchsten Tribut an Menschenleben seit dem Zweiten Weltkrieg gefordert“, sagte der Menschenrechtsaktivist und Arzt, der insbesondere durch die Behandlung von Vergewaltigungsopfern weltweite Anerkennung gefunden hatte. Seit dem Wiedererstarken der Rebellengruppe M23 sei die Sicherheitslage im Osten Kongos noch schlechter geworden. Sexuelle Gewalt als Kriegswaffe sei alltäglich, in der Konfliktregion würden Menschen sterben „wie die Fliegen“.

Weltweite Abhängigkeit von Rohstoffen aus dem Kongo

Der Arzt forderte neben Strafmaßnahmen gegen Ruanda den Abzug ruandischer Soldaten aus dem Ostkongo und ein internationales Tribunal für die dort begangenen Verbrechen. Auch müsse der Verlauf internationaler Lieferketten transparenter werden. Ruanda sei zum wichtigsten Umschlagplatz für aus dem Ostkongo geraubtes Coltan, Wolfram und andere Rohstoffe geworden. Auf diese Lieferungen sei sowohl die Rüstungsindustrie als auch die Telekommunikation und die Energietechnik dringend angewiesen. „Die grünen Energien sind eigentlich rote Energien“, sagte Mukwege. „Sie sind besudelt vom Blut der Frauen und Kinder im Kongo.“

Bei seinem Besuch in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt hatte der Friedensnobelpreisträger auch Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) getroffen. Rheinland-Pfalz ist seit über 40 Jahren durch eine offizielle Partnerschaft mit Ruanda verbunden, die als Vorbild für zivilgesellschaftlich organisierte Entwicklungszusammenarbeit gilt. Konkrete Forderungen an das Land Rheinland-Pfalz erhob Mukwege nicht. „Wenn Sie weiterhin dieses Regime unterstützen, tragen Sie eine Verantwortung“, mahnte er. Zugleich ermutigte er die Rheinland-Pfälzer, nichts spreche dagegen, der Bevölkerung in Ruanda zu helfen.

Mukwege wurde 2018 für sein Engagement für Überlebende sexualisierter Gewalt im Ostkongo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. In das von ihm gegründete Hospital in der Provinzhauptstadt Bukavu kann er aktuell nicht mehr zurückkehren, nachdem die Rebellen die Kontrolle über die Region übernommen hatten. Zu der Podiumsveranstaltung an der Johannes Gutenberg-Universität hatten die Landeszentrale für politische Bildung, das katholische Bistum und weitere Partner eingeladen.

Internetseite von Mukweges Stiftung (Englisch) www.mukwegefoundation.org

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