Nachrichtenportal "Addis Standard” meldet Entzug von Lizenz

Nairobi/Addis Abeba - Die äthiopische Nachrichtenplattform "Addis Standard” meldet den Entzug ihrer Online-Lizenz: Die Medienbehörde habe ihr mehrfache medienethische Verstöße vorgeworfen, schrieb die Zeitung am Dienstagabend. Zu keinem Zeitpunkt sei die Redaktion offiziell über solche früheren Verstöße oder Durchsetzungsmaßnahmen informiert worden, erklärte der Chefredakteur Yonas Kedir.

Im April 2025 hatte die Polizei die Redaktion durchsucht und mehrere Redakteure verhaftet, doch zu einer Anklage kam es nicht. Das Komitee zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten (CPJ) forderte die Wiederherstellung der Lizenz. Durch die Instrumentalisierung vager Bestimmungen zu „nationalen Interessen“ und „Medienethik“ bringe die äthiopische Medienbehörde den unabhängigen Journalismus zum Schweigen, erklärte die CPJ-Afrika-Direktorin Angela Quintal.

Neue Spannungen in Tigray

Während des Krieges in der Region Tigray hatte die Behörde die Lizenz des „Addis Standard“ 2021 vorübergehend ausgesetzt, und dem Portal die Verbreitung „terroristischer Propaganda“ vorgeworfen. Aktuell ist das Verhältnis zwischen der Zentralregierung in Addis Abeba und der Regionalregierung in Tigray wieder extrem angespannt.

In den vergangenen Wochen hatte die äthiopische Regierung außerdem mehreren Journalisten die Reise nach Tigray sowie die Verlängerung von Arbeitsgenehmigungen verweigert. Auch einem Radiosender wurde laut CPJ die Lizenz entzogen. Auf dem Index der Pressefreiheit der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ belegt Äthiopien Platz 145 von 180.

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