Kolumbien: Mindestens 99 Menschenrechtler in einem Jahr getötet

Die erste linke Regierung Kolumbiens schafft es einem UN-Bericht zufolge nicht, die Gewalt gegen Aktivistinnen und Aktivisten einzudämmen.

Berlin/Genf - In Kolumbien hält die Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger an. 2025 seien mindestens 99 Aktivistinnen und Aktivisten aufgrund ihres Engagements getötet worden, hieß es im Jahresbericht des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, der am Donnerstag in Kolumbien und am Freitag in Genf vorgestellt wurde.

Insgesamt habe das UN-Menschenrechtsbüro Meldungen zu 207 Morden erhalten. 99 hätten bestätigt werden können, in 39 Fällen sei das Motiv nicht das Engagement des Opfers gewesen und zu 69 Getöteten seien die Untersuchungen entweder noch nicht abgeschlossen oder die Vorwürfe hätten sich nicht bestätigt. 2024 gab es den Angaben zufolge 191 Meldungen und 89 verifizierte Morde an Menschenrechtlern.

Höchststand bei Rekrutierung von Kindern

Auch die allgemeine Bevölkerung leidet laut dem Bericht über die anhaltende Gewalt in dem südamerikanischen Land. Trotz des Friedensprozesses und den Versprechen von Präsident Gustavo Petro hätten die Angriffe auf Zivilistinnen und Zivilisten teilweise sogar zugenommen. So liege die Zahl der rekrutierten Minderjährigen durch bewaffnete Gruppen auf einem Höchststand. Die Fälle von 150 Kindersoldaten hätten für 2025 verifiziert werden können, doch das sei nur ein Bruchteil der tatsächlich verschleppten Jungen und Mädchen.

Zudem wurden dem Bericht zufolge insgesamt 18 Politikerinnen und Politiker ermordet. Allerdings ging die Zahl der bestätigten Massaker an Zivilistinnen und Zivilisten demnach 2025 deutlich zurück, auf 53 mit 174 Opfern von 72 im Vorjahr mit insgesamt 252 Opfern.

Weniger staatliche Gewalt

Derweil begrüßte das Hochkommissariat die Anstrengungen der Regierung, das Land zu befrieden und die staatliche Gewalt zu kontrollieren. Man habe im vergangenen Jahr 41 Prozent weniger Meldungen zu Gewalt durch staatliche Sicherheitskräfte gegen die Zivilbevölkerung erhalten.

In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen dem Staat, Guerilla-Gruppen und paramilitärischen Milizen, bei dem etwa 300.000 Menschen getötet und sieben Millionen vertrieben wurden. Der seit 2022 regierende erste linke Präsident des Landes, Gustavo Petro, versprach Gespräche mit allen bewaffneten Gruppen und Frieden.

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