Wahlen in Kolumbien: "Trump ist zum Problem für die Rechte geworden"

Angesichts der aktuellen US-Politik müssen sich rechte Parteien in Kolumbien laut dem Friedensforscher Stefan Peters von ihrem einstigen Verbündeten abgrenzen - eventuell zum Vorteil der Linken.

Berlin/Bogotá - Im Wahlkampf in Kolumbien ist US-Präsident Donald Trump laut dem Politikwissenschaftler Stefan Peters ein Problem für rechte Parteien geworden. „Man muss sich nun gegenüber einem Präsidenten abgrenzen, den man eigentlich hofieren wollte“, sagte der Professor an der Universität Gießen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Rechte in Kolumbien sei traditionell USA-nah.

„Doch nach der US-Intervention in Venezuela ist es selbst für rechte Sektoren schwierig, ähnliche Aktionen in Kolumbien zu fordern.“ Ein so krasser Eingriff in die Souveränität des Landes sei beispielsweise auch für Angehörige des Militärs unvorstellbar, betonte der Leiter des deutsch-kolumbianischen Friedensinstituts Capaz.

„Staatsmännische“ Reaktion von Präsident Petro

Die US-Armee hat Anfang des Jahres Kolumbiens Nachbarland Venezuela angegriffen und den autoritär herrschenden Präsidenten Nicolás Maduro verschleppt. Dies könnte Peters zufolge dem regierenden linken Parteienbündnis bei den Parlamentswahlen am 8. März und den Präsidentschaftswahlen am 31. Mai sogar in die Hände spielen. Hinzu komme Trumps „unmenschliche Migrationspolitik“, die auch Kolumbianer und Kolumbianerinnen in den USA betrifft.

Auch der kolumbianische Präsident Gustavo Petro wurde immer wieder von Trump bedroht und beschimpft. Petro habe es aber geschafft, „den Konflikt überraschend staatsmännisch zu regeln“, urteilte der Friedensforscher. Als Antwort auf die Drohungen führte der erste linke Präsident Kolumbiens direkte Gespräche, die in einem freundschaftlichen Besuch in Washington endeten. Damit habe Petro eine über Monate aufgebaute Bedrohungslage direkter US-Einmischung in die Wahlen abgewendet.

Ungewiss, wie lange der Frieden hält

Aktuell liegen in mehreren Umfragen der linke Präsidentschaftskandidat Iván Cepeda und das Regierungsbündnis „Pacto Histórico“ mit etwa 30 Prozent der Stimmen vorn. Die Entspannung des Konflikts zwischen Kolumbien und den USA zeige, „dass die US-amerikanische Politik durchaus in der Lage ist, mit politischen Kräften zusammenzuarbeiten, die nicht auf der rechten Seite stehen“. Wie lange dieser Frieden Bestand habe, bleibe jedoch abzuwarten, erläuterte Peters. Denn es gebe weiterhin viele offene Meinungsverschiedenheiten, die nur oberflächlich geklärt seien.

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