Gerichtshof verurteilt Peru wegen Zwangssterilisationen

Über 300.000 Frauen wurden in Peru Ende der 90er Jahre unfreiwillig sterilisiert. Der Staat muss nach einem Urteil für Aufklärung und Wiedergutmachung sorgen sowie die Verantwortlichen vor Gericht bringen.

Berlin/San José - Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hat den peruanischen Staat wegen der Zwangssterilisation und den Tod einer Frau im Rahmen eines staatlichen Familienplanungsprogramms verurteilt. Der Fall von Celia Edith Ramos Durand sei kein Einzelfall, erklärte das Gericht am Donnerstag (Ortszeit) in Costa Rica. Über 314.000 meist indigene und arme Frauen und 24.000 Männer wurden demnach in dem von 1996 bis 2000 andauernden Programm ohne ihre Einwilligung oder unter massivem Druck sterilisiert.

Das Gericht urteilte erstmals, dass die Zwangssterilisationen institutionalisierte geschlechtsspezifische Gewalt und Folter darstellen. Peru muss nun die Täter verfolgen und verurteilen, Maßnahmen zur Wiedergutmachung ergreifen und Opfern Zugang zur Justiz ermöglichen. Das Gericht betonte, diese Politik sei von oberster Ebene der Regierung geplant und getragen worden.

„Historischer Schritt“

Der Fall der dreifachen Mutter Ramos Durand, die 1997 im Alter von 34 Jahren nach einer Verschließung der Eileiter starb, ist ein Präzedenzfall. Die feministische Organisation Demus brachte ihn 2011 zusammen mit Familienangehörigen von Ramos Durand vor den Interamerikanischen Gerichtshof. Das Urteil sei ein „Erfolg für Tausende Frauen in Peru“, erklärte die Organisation. „Es ist ein historischer Schritt in Richtung Wahrheit, Gerechtigkeit und die Entschädigung von Tausenden Opfern.“

Das Programm zur Geburtenkontrolle war Teil der Politik von Präsident Alberto Fujimori, der das südamerikanische Land von 1990 bis 2000 autoritär regierte. Nach einer Untersuchung des Kongresses wurden die unfreiwilligen Eingriffe bis 2001 fortgeführt.

Fujimori selbst wurde zwischen den Jahren 2007 und 2009 wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption verurteilt. Er starb 2024 und erhielt unter der damaligen Präsidentin Dina Boluarte ein Staatsbegräbnis.

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