Frankfurt a.M. - Der Menschenrechtsexperte Martin Lessenthin hat mit Blick auf den Iran-Krieg eindringlich vor Rückführungen in das Land gewarnt. „In einen Iran der Mullahs darf es keine Abschiebungen mehr geben“, sagte der frühere Sprecher der Menschenrechtsorganisation IGFM dem Evangelischen Pressedienst (epd). Hardliner im iranischen Machtapparat deuteten den Konflikt mit dem Westen apokalyptisch: In Teilen des Regimes gelte Krieg als Mittel, die Voraussetzungen für eine eigene Vision einer islamischen Weltherrschaft vorzubereiten.
Nach einem Fall des Regimes und einem kriegerischen Konflikt werde es viele Opfer zu beklagen geben, fügte Lessenthin hinzu: „Praktische Hilfe durch Ärzte und Traumatherapeuten wird nötig sein.“ Auch Christen benötigten solche Unterstützung, denn „viele waren im Gefängnis und sind durch Haft und Folter traumatisiert“.
Härte als Machtdemonstration
Lessenthin blickt insgesamt mit großer Sorge auf die Lage von Christinnen und Christen im Iran: Nach dem Krieg mit den USA und Israel sei jeder Kontakt in die „freie Welt“ zur Lebensgefahr geworden, Untergrundgemeinden hätten ihre Treffen und digitalen Gruppen eingestellt. Die gegen sie eingesetzte besondere Härte sei eine Machtdemonstration und ein Signal der islamistischen Führung an die Zivilgesellschaft.
Die christlichen Untergrundgemeinden seien in größter Gefahr, so Lessenthin: „Sie stehen unter Generalverdacht, so wie auch die Mitglieder der Baha’i-Gemeinschaft, die wenigen Juden und Mandäer. Die gegen sie eingesetzte besondere Härte ist eine Machtdemonstration und ein Signal der islamistischen Führung an die Zivilgesellschaft.“ Die Ernennung von Modschtaba Chamenei zum neuen obersten Führer sei ein fatales Zeichen für die religiösen Minderheiten. Modschtaba Chamenei folgt seinem Vater Ali Chamenei, der fast 40 Jahre lang der herrschende religiöse Führer des Iran war und vor gut einer Woche in einer Militäroffensive der USA und Israel getötet wurde.
Der Menschenrechtsexperte und Historiker Martin Lessenthin ist seit 2023 Mitherausgeber der Jahrbücher für Religionsfreiheit und einer der „Botschafter für Menschenrechte“. Auf Beschluss des Deutschen Bundestags wurde er 2016 und 2020 in das Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR), gewählt. Von 2001 bis 2023 wirkte Lessenthin als Vorstandssprecher der Menschenrechtsorganisation IGFM.