Genf - Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat sich entsetzt über neue Massaker im Südsudan geäußert. In den vergangenen zweieinhalb Wochen seien mehr als 160 Zivilisten getötet worden, erklärte Türk am Dienstag in Genf.
Bei dem größten Blutbad am 1. März hätten Kämpfer der ethnischen Gruppe Bul Nuer mindestens 139 Menschen im Norden des Landes umgebracht. Am 21. Februar seien 21 Zivilisten von Regierungstruppen im Dorf Pankor im Bezirk Ayod im Bundesstaat Jonglei im Osten des Landes getötet worden.
Die Soldaten hätten sie unter dem Vorwand, ihnen Lebensmittel zu geben, an einen Ort gelockt und dann das Feuer auf sie eröffnet. Unter den Getöteten hätten sich 15 Frauen und drei Mädchen befunden.
Zudem gebe es Berichte über Massenvertreibungen sowie der Zerstörung und Verseuchung von Wasserquellen. Zivilisten, die mit dem UN-Menschenrechtsbüro gesprochen hätten, hätten angegeben, dass während Luftangriffen der Regierung etwa 99 Brunnen zerstört oder mit unbekannten Substanzen vergiftet worden seien.
Südsudan kommt seit Unabhängigkeit 2011 nicht zur Ruhe
Der Südsudan ist das jüngste Land Afrikas und erlangte 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Danach eskalierten politische Konflikte zu einem Bürgerkrieg, der 2018 mit einem Kompromiss und einer gemeinsamen Regierung von Präsident Salva Kiir und Riek Machar als Vizepräsident endete. Die beiden Politiker hatten im Bürgerkrieg verfeindete Lager angeführt.
Die seither geschlossenen Friedensabkommen wurden wiederholt gebrochen. Nach seiner vorläufigen Amtsenthebung muss sich Machar vor Gericht verantworten. Ihm und sieben anderen Angeklagten werden Verrat, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mord vorgeworfen.