Berlin - Deutschland kommt beim Klimaschutz kaum voran. Die Kohlendioxid-Emissionen sanken im vergangenen Jahr um gerade einmal 0,1 Prozent, wie aus den am Samstag in Berlin veröffentlichten Daten des Umweltbundesamtes hervorgeht. Der zuvor über Jahre zu beobachtende Trend zu einem deutlichen Rückgang ist nahezu gestoppt. Die Lücke zum Erreichen des Klimaziels wird größer, und damit auch der Druck auf das erwartete Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. „Diese Zahlen sind ein gellender Weckruf“, sagte Greenpeace-Sprecherin Marissa Reiserer.
Deutschland emittierte dem Umweltbundesamt zufolge im vergangenen Jahr 649 Millionen Tonnen CO2, eine knappe Million weniger als 2024. Im Industriesektor wurden den Daten zufolge die Emissionen gemindert. Ursache dafür waren laut Umweltbundesamtspräsident Dirk Messner vor allem Produktionsrückgänge aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung. Anstiege klimaschädlicher Emissionen in den Bereichen Gebäude und Verkehr wogen diese Reduzierung fast komplett auf. In den Sektoren Energiewirtschaft und Landwirtschaft blieben die Emissionen 2025 auf dem Vorjahresniveau.
Lücke zum Klimaziel wird größer
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte bei der Vorstellung der Daten, die Fortschritte seien „insgesamt zu klein“ gewesen. Er erklärte die Stagnation unter anderem mit dem relativ windarmen Jahr 2025, in dem Gaskraftwerke mehr für Strom sorgen mussten, und einem kälteren Winter, in dem mehr geheizt wurde.
Deutschland war bislang bei der Erreichung des Klimaziels gut vorangekommen. 2023 lag der Rückgang der Emissionen noch bei gut zehn Prozent, 2024 dann bei 3,4 Prozent. Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein. Bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 gesenkt werden. 2025 waren dem Bericht zufolge 48 Prozent erreicht.
Damit liegt Deutschland zwar noch im durch das Klimaschutzprogramm festgelegten Plan. Die Lücke - und damit die Aufgabe für die Politik - zur Erreichung des Klimaziels wird aber größer: Ging der Bericht 2024 davon aus, dass mit den geltenden Maßnahmen die Emissionen bis 2030 bereits um 63,7 Prozent gesenkt werden können, sinkt die Prognose im aktuellen Bericht auf 62,6 Prozent.
Klimaschutzprogramm muss bis zum 25. März stehen
Umweltbundesamtspräsident Messner sagte, es gehe jetzt beim Klimaschutzprogramm darum, diese Lücke zu schließen. „Die Herausforderungen werden größer, aber nicht unmöglich“, sagte er. Das Kabinett muss das Klimaschutzprogramm, das ausreichende Maßnahmen zur Erreichung des Klimaziels enthält, bis zum 25. März verabschieden.
Umweltminister Schneider müsse „alles daran setzen, die fossilen Ketten zu sprengen, die uns eine falsche Energie- und Verkehrspolitik angelegt haben und die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit ihren Gas-Plänen gerade noch fester schraubt“, sagte Greenpeace-Sprecherin Reiserer. Für die Deutsche Umwelthilfe wiederholte deren Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch unter anderem die Forderung, ein Tempolimit auf deutschen Straßen in das Klimaschutzprogramm aufzunehmen.
Drastisch formulierte Sprecherin Carla Reemtsma für „Fridays for Future“: „Die Emissionsbilanz zeigt, was alle insgeheim wissen: Diese Regierung steuert uns mitten in die Klimakrise“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Julia Verlinden, sagte dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“, die neuen Daten seien „ein letztes Warnsignal an die Bundesregierung, dass sie eine radikale Kehrtwende in der Klimaschutzpolitik vornehmen muss“.
Eine gute Nachricht enthält der Bericht des Umweltbundesamtes über den Wald in Deutschland. Während die Wälder wegen Dürre und Schäden durch Borkenkäfer in den Jahren 2018 bis 2024 selbst Emissionen verursachten, wurden sie 2025 wieder zu einer CO2-Senke. Sie entnahmen der Atmosphäre den Daten zufolge 19 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr, als sie selbst freisetzten.