Potsdam - Zum Auftakt der internationalen Wochen gegen Rassismus zeichnet sich eine Rekordbeteiligung in Deutschland ab. Die koordinierende Stiftung meldete zum bundesweiten Auftakt am Montag in Potsdam mehr als 3.600 bislang gemeldete Veranstaltungen. Dies sei ein Rekord in der Geschichte der internationalen Wochen gegen Rassismus, erklärte Jürgen Micksch als Vorstand der Stiftung gegen Rassismus.
Das diesjährige Motto lautet „100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“. Geplant sind unter anderem Lesungen, Konzerte, Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen. In Brandenburg sind bislang 76 Veranstaltungen auf der Internetseite registriert.
„Nur ein weltoffenes Land hat eine gute Zukunft“
Die Chefin der brandenburgischen Staatskanzlei, Kathrin Schneider (SPD), sagte zum Auftakt, nur ein weltoffenes und tolerantes Land, das Rassismus und Rechtsextremismus bekämpft, habe eine gute Zukunft. „Davon bin ich zutiefst überzeugt“, sagte die Ministerin.
Stiftungsvorstand Micksch sagte, „wir freuen uns über das seit Jahren zunehmende Engagement in ganz Deutschland“. Menschen aus allen Lebensbereichen setzten Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: „Das ist dringend erforderlich, denn das sind die Wurzeln für den zunehmenden Rechtsextremismus.“
Menschenwürde durch Rassismus verletzt
Der Botschafter der diesjährigen Antirassismus-Wochen, der Rechtsextremismusforscher Matthias Quent, sagte, die Menschenwürde stehe überall dort auf dem Spiel, wo Abwertung, Ausgrenzung und Ungleichbehandlung stattfinden: „Die Forschung zeigt, wie Rassismus Routinen prägt, Institutionen durchzieht, öffentliche Debatten strukturiert und in historischen Kontinuitäten fortlebt.“
Isabel Schmidt von der Stiftung berichtete, dass sich in einigen Kommunen der Druck auf antirassistisches Engagement erhöht habe. Fördergelder seien in der Vergangenheit gestrichen oder verzögert ausgezahlt worden. Zudem werde die Arbeit vereinzelt auch von extremistischen Gruppen gestört. Einzelne Gemeinden oder Städte nannte sie nicht.
Erinnern an das Massaker von Sharpeville
Die Veranstaltungsreihe findet jedes Jahr rund um den 21. März statt, den 1966 ausgerufenen UN-Tag gegen Rassismus. Hintergrund ist das Massaker von Sharpeville vom 21. März 1960. Damals demonstrierten in dem südafrikanischen Township tausende Menschen friedlich gegen das Apartheidsystem. 69 Menschen wurden von der Polizei erschossen.
Weltweit soll der Tag das Engagement für Menschenwürde und gegen Rassismus stärken. Koordiniert werden die Aktionen in Deutschland von der Stiftung gegen Rassismus mit Sitz in Darmstadt.