Entsetzen über Luftangriff gegen Klinik in Kabul mit Hunderten Toten

Bei einem Luftangriff auf eine Klinik in der afghanischen Hauptstadt Kabul sollen Hunderte Menschen getötet worden sein. Die Taliban machen Pakistan dafür verantwortlich.

Frankfurt a.M./Kabul - Entsetzen nach einem mutmaßlich pakistanischen Luftangriff auf eine Klinik in Kabul: Nach Angaben der Taliban-Regierung wurden bei dem Beschuss der Omid-Entzugsklinik in der afghanischen Hauptstadt am Montagabend mindestens 400 Menschen getötet. 250 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der stellvertretende Regierungssprecher Fitrad Hamd in der Nacht auf Dienstag auf der Internetplattform X mit.

Die Vereinten Nationen dringen auf Aufklärung. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte forderte eine sofortige und unabhängige Untersuchung. Pakistan bestritt die Vorwürfe.

Pakistan bestreitet Beschuss

Laut dem Taliban-Sprecher Hamd ereignete sich der Angriff Montagabend gegen 21 Uhr. Die 2016 gegründete Entzugsklinik liegt im Osten von Kabul und bietet Platz für schätzungsweise 2.000 Patienten. Die Angaben zur Zahl der Toten und Verletzten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar erklärte auf der Internetplattform X, alle Luftschläge seien „präzise“ ausschließlich gegen Infrastruktur gerichtet gewesen, die von den Taliban und ihren terroristischen Verbündeten für militärische Zwecke genutzt werde. „Die falschen Behauptungen des propagandistischen Taliban-Regimes können weder die Afghanen noch die Welt darüber hinwegtäuschen, dass es den Terrorismus in der Region unterstützt und fördert.“

Kriegserklärung Ende Februar

Pakistan hatte den Taliban Ende Februar den Krieg erklärt. Seitdem kam es wiederholt zu militärischen Auseinandersetzungen entlang der pakistanisch-afghanischen Grenze. Das pakistanische Militär flog zahlreiche Angriffe auf militärische Einrichtungen der Taliban, darunter auch in der Hauptstadt Kabul. Die Taliban wiederum griffen grenznahe Stützpunkte des pakistanischen Militärs an und attackierten Ziele mit Drohnen.

Der afghanische Sender Tolo News berichtete am Dienstag unter Berufung auf Mitarbeitende in der Klinik, dass vermutlich noch 50 Opfer unter den Trümmern begraben seien. Die Rettungsarbeiten liefen weiter, hieß es.

Medizinische Einrichtungen im Völkerrecht geschützt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich besorgt und nannte ebenfalls die Zahl von mehr als 400 Toten und mindestens 250 Verletzten. Die WHO arbeite daran, die Angaben zu verifizieren, schrieb WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Internetplattform X.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte unterstrich, dass Zivilisten laut humanitärem Völkerrecht besonders geschützt seien. Das Völkerrecht sehe zudem einen verstärkten Schutz für medizinische Einrichtungen vor.

Jahrelanger Konflikt

Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan schwelt seit Jahren. Pakistan wirft der Taliban-Regierung vor, die pakistanischen Taliban, Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), zu unterstützen und ihnen Schutz auf afghanischem Boden zu gewähren. Die TTP hatten in den vergangenen Jahren zahlreiche Anschläge in Pakistan verübt, vor allem im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Die afghanischen Taliban weisen dies jedoch entschieden zurück. Vermittlungsversuche ausländischer Akteure wie Katar oder China waren bisher vergebens.

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