Berlin/Buenos Aires - Der Geheimdienst Argentiniens hat kurz vor dem 50. Jahrestag des Militärputschs Dokumente aus der Diktatur-Zeit und davor veröffentlicht. In einer ersten Tranche würden 26 Dokumente mit insgesamt 492 Seiten aus den Jahren 1973 bis 1986 freigegeben, teilte die Behörde am Donnerstag (Ortszeit) in den sozialen Netzwerken mit. Die Regierung des ultralibertären Präsidenten Javier Milei hatte bereits vor einem Jahr die Veröffentlichung von Dokumenten aus der Zeit vor und während der Militärdiktatur (1976-1983) angekündigt, um die „ganze Wahrheit“ zur politischen Gewalt in den 70er und 80er Jahren zu beweisen.
Am 24. März 1976 putschte das Militär in Argentinien. Während der Diktatur wurden laut offiziellen Schätzungen etwa 30.000 Menschen willkürlich festgenommen und ermordet. Die Militärs begründeten ihren Staatsstreich unter anderem mit der Gewalt durch linke Gruppen, die den Staat zu destabilisieren gedroht habe. Die Regierung Milei folgt dieser Argumentation und spricht von einem bewaffneten Konflikt vor dem Putsch.
Ablehnung der Diktatur gesellschaftlicher Konsens
Das zeige sich auch bei der Veröffentlichung der Geheimdienstdokumente, kritisierten Menschenrechtsorganisationen am Freitag. So sagte die Geschäftsführerin des Verbandes „Memoria Abierta“ (Offenes Gedenken), Verónica Torras, der Zeitung „Página 12“, es handle sich um eine "politisch einseitige und willkürliche Freigabe von Dokumenten”. Das Ziel sei es, die Interpretation der Regierung zu stärken, dass die politische Gewalt und Verfolgung der Opposition schon vor der Militärdiktatur begonnen habe.
In Argentinien ist die Ablehnung der Diktatur seit deren Ende fest in der Gesellschaft verankert. Im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Ländern fand eine umfassende juristische Aufarbeitung statt, bei der zahlreiche Verantwortliche verurteilt wurden.