Vereinte Nationen schlagen Alarm: "Weltklima im Ausnahmezustand"

Die Folgen der Erderwärmung werden auch in Hunderten Jahren noch spürbar sein, warnt die Weltwetterorganisation. Ein neuer Bericht der UN-Organisation zeichnet ein düsteres Bild zum aktuellen Stand des Klimawandels.

Frankfurt a.M./Genf - Sich aufheizende Meere, schmelzende Gletscher - und anhaltend hohe Temperaturen: Angesichts des fortschreitenden Klimawandels schlägt die Weltwetterorganisation (WMO) Alarm. Das Klima sei „stärker aus dem Gleichgewicht geraten als jemals zuvor“, teilte die Organisation am Montag in Genf zur Veröffentlichung ihres Rückblicks auf das Klimajahr 2025 („State of the Global Climate Report 2025“) mit.

Die einschneidenden Änderungen hätten sich zwar innerhalb weniger Jahrzehnte vollzogen, doch sie hätten schädliche Folgen auch noch in Hunderten, möglicherweise sogar Tausenden von Jahren, hieß es. „Das Weltklima ist im Ausnahmezustand“, warnte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres. Die Erde stoße an ihre Grenzen.

Temperaturen steigen

Der Bericht bestätigt, dass vergangenes Jahr das zweit- oder drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen war. Die weltweite Durchschnittstemperatur lag demnach 1,43 Grad Celsius über dem Wert der vorindustriellen Zeit (Referenzzeitraum: 1850 bis 1900) - und damit knapp unter dem im Pariser Abkommen vereinbarten 1,5-Grad-Limit. Der Erwärmungstrend zeigt sich auch für die Jahre von 2015 bis 2025. Diese seien die elf wärmsten seit Beginn der Messungen gewesen, hieß es.

WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo warnte vor den Folgen eines zunehmend extremer werdenden Wetters. Hitzewellen, Waldbrände, Dürren, Stürme und Fluten hätten vergangenes Jahr Tausende Tote verursacht, sagte Saulo. Millionen von Menschen seien betroffen gewesen und wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verursacht worden.

Mehr Treibhausgase in der Atmosphäre

In dem WMO-Bericht werden außer den Temperaturen eine Reihe weiterer Klima-Indikatoren erfasst. So etwa zu den drei wichtigsten klimaschädlichen Treibhausgasen CO2, Methan und Lachgas: Deren Konzentration in der Atmosphäre habe laut Daten einzelner Messstationen 2025 weiter zugenommen.

Zudem seien die Ozeane so warm wie nie seit Beginn der Erfassung im Jahr 1960 gewesen - und sie heizten sich schneller auf. Die Erwärmungsrate von 2005 bis 2025 sei doppelt so hoch wie noch in den Jahren von 1960 bis 2005.

Auch die Gletscherschmelze setzte sich laut WMO vergangenes Jahr in hohem Tempo fort. Die durchschnittliche Ausdehnung des arktischen Meereis wiederum sei vergangenes Jahr auf dem niedrigsten oder zweitniedrigsten Stand seit der Satellitenaufzeichnung im Jahr 1979 gewesen. Jene des antarktischen Meereises auf dem drittniedrigsten Niveau nach 2023 und 2024.

91 Prozent der überschüssigen Wärme in Weltmeeren

Erstmals werden in dem Bericht, der jedes Jahr erscheint, laut WMO auch Daten zum Energie-Ungleichgewicht der Erde aufgeführt, aus Sicht der Fachleute einer der wesentlichen Klima-Indikatoren. Das Ungleichgewicht habe seit 1960 zugenommen und sei vergangenes Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen, hieß es.

Dabei wird erfasst, wie viel der Energie, die in Form von Sonnenlicht auf die Erde trifft, als Wärme ins All zurückgestrahlt wird. Durch die von Menschen verursachten Treibhausgase wie CO2 kann weniger Energie zurückgestrahlt werden - das Ungleichgewicht wächst und es wird wärmer. Laut WMO werden mehr als 91 Prozent der überschüssigen Wärme in den Weltmeeren gespeichert. Die Aufheizung der Atmosphäre und Erdoberfläche sei auf lediglich ein Prozent des Überschusses zurückzuführen. Fünf Prozent würden von kontinentalen Landmassen aufgefangen.

Der EU-Dienst Copernicus hatte 2025 als drittwärmstes Jahr seit den Wetteraufzeichnungen eingestuft. Die Analyse der Weltwetterorganisation, die ihren Sitz in Genf hat, beruht unter anderem auf Beiträgen von nationalen Wetterdiensten. Dadurch lassen sich leichte Abweichungen erklären.

Pressematerial zum Bericht (englisch) 

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