Berlin - Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Myanmar kritisieren kirchliche Hilfswerke Einschränkungen für die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen. „Das Recht auf Hilfe für die Zivilbevölkerung wird militärischen und politischen Zielen untergeordnet“, sagte der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Keßler, am Freitag in Berlin. Hilfsgüter würden mitunter nicht durchgelassen, und der Transport von Medikamenten, Hygieneartikeln oder Kraftstoff in die betroffenen Gebiete sei teilweise sogar verboten.
In einer gemeinsam mit „Brot für die Welt“ veröffentlichten Mitteilung würdigte die Diakonie Katastrophenhilfe die Arbeit lokaler Helferinnen und Helfer in dem südostasiatischen Land. Hilfe sei vielerorts nur durch diese möglich, „weil der Zugang durch den bewaffneten Konflikt beschränkt ist“. Die beiden evangelischen Hilfswerke forderten, lokale Hilfsorganisationen zu unterstützen.
Tausende Tote bei Erdbeben
Am 28. März 2025 hatte ein Erdbeben der Stärke 7,7 auf der Richterskala Myanmar erschüttert. Tausende Menschen kamen ums Leben. Unzählige Häuser wurden zerstört. Das Beben traf ein Land, das bereits seit Jahren unter einem Bürgerkrieg leidet.
Eine Partnerorganisation von „Brot für die Welt“, die „Women's League of Burma“, warnte zum Jahrestag der Katastrophe vor ausbleibenden Mitteln für die Hilfe. Wenn die finanzielle Unterstützung für lokale Akteure sinke, würden sie handlungsunfähig, „obwohl sie am effektivsten helfen können“, sagte Vorstandsmitglied Mye Ngei.
Proteste niedergeschlagen
In Myanmar kämpfen zahlreiche bewaffnete Gruppen in verschiedenen Konstellationen, vor allem gegen das Militär, das im Februar 2021 die gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stürzte. Seit dem Putsch hat die Militärregierung auch Proteste in der Bevölkerung in dem 54-Millionen-Einwohner-Land gewaltsam bekämpft.