Autorin will Kunst ihres Urgroßvaters zurück nach Südafrika holen

Über christliche Missionare sind Kunstwerke aus Südafrika einst nach Deutschland gelangt. Suzan Skhosana aus Kgabalatsane bei Pretoria will mit Skulpturen ihres Urgroßvaters auch ein kulturelles Erbe aus Niedersachsen zurück nach Hause bringen.

Pretoria (epd). Die Südafrikanerin Suzan Skhosana setzt sich als Schriftstellerin, Museumsgründerin und Aktivistin für die Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe ihrer Heimat ein. Seit vielen Jahren erforscht sie den Verbleib von Werken ihres Urgroßvaters Micah (Miga) Kgasi (1864-1956), eines Predigers, Lehrers und Bildhauers. Einige davon sind heute Teil der Sammlung des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Niedersachsen in Hermannsburg. Skhosana möchte sie noch in diesem Jahr nach Südafrika zurückholen. Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln sei wichtig für die Zukunft, sagte sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Missionswerk unterstützt nach den Worten seines Referenten Joe Lüdemann eine Rückgabe der Kgasi-Skulpturen und hat bereits eine Rückgabe-Zeremonie geplant.

„Ich habe unermüdlich nach Werken meines Urgroßvaters gesucht, seit ich jung war, seit 2004. Sie zu sehen und mit eigenen Händen zu berühren, wird ein großes Abenteuer sein“, sagte Skhosana. Sie hat einen Bildband mit Werken von Kgasi herausgegeben und in Kgabalatsane bei Pretoria ein Museum begründet. Für Südafrika könne die Rückgabe der Skulpturen Teil einer „Heilung der Geschichte“ sein, ist sie überzeugt. Sie dorthin zu bringen, wo sie hingehörten, ermögliche es jungen Menschen, „greifbare Beweise ihrer künstlerischen Exzellenz und ihrer Geschichte zu sehen“, erläuterte sie. „Dies fördert ein Gefühl von Stolz und Zugehörigkeit, das für unsere zukünftige Entwicklung unerlässlich ist.“

Eine Art Heimkehr

„Mein Ziel ist die vollständige und respektvolle Rückgabe dieser Kunstwerke an Südafrika“, betonte Suzan Skhosana. Dazu will die Autorin voraussichtlich im Herbst persönlich nach Hermannsburg kommen. Aktuell bemüht sie sich in Südafrika um eine Finanzierung des Projekts. Die Werke sollten den Grundstein eines erweiterten Museumsprojekts bilden. Dieses könne lokale Künstler dazu inspirieren, sich wieder mit ihrem kulturellen Erbe zu verbinden. „Für mich persönlich ist dies eine Art der Heimkehr“, sagte sie. „Es geht darum, meinen Vorfahren zu ehren und eine Erzählung zurückzuerobern, die uns viel zu lange vorenthalten wurde.“

Recherchen, wie sie um 1997 bereits die südafrikanische Kunsthistorikerin Elsa Miles Botha für ein Buch über frühe schwarze Künstler angestellt habe, seien zunächst ins Leere gelaufen, erläuterte sie. Ein über lange Zeit für das Missionswerk in Südafrika tätiger Pastor und seine Frau hätten ihr dann Fotos einer Ausstellung mit Kgasis Kunstwerken aus Hermannsburg geschickt. Dadurch sei klar geworden, dass diese Skulpturen Teil der Sammlung des Missionswerkes sind. Nach dessen Angaben seien sie einst als ein Geschenk ihres Urgroßvaters dorthin gelangt.

Missionswerk forscht nach Herkunft

Das Missionswerk lässt aktuell seine Sammlung in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesmuseum durch einen Provenienzforscher erforschen. Dabei geht es auch um Eigentumsrechte.

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