"Sea-Watch 5" meldet Festsetzung in Sizilien

Mit mehreren Dutzend Geretteten an Bord sollte die "Sea-Watch 5" einen weit entfernten Hafen ansteuern. Die Crew widersetzte sich den italienischen Anweisungen und lief schließlich in Sizilien ein. Mit Folgen für Sea-Watch.

Frankfurt a.M., Berlin (epd). Nach der Rettung von Dutzenden Menschen aus dem Mittelmeer ist die „Sea-Watch 5“ für 20 Tage festgesetzt worden. Zudem hätten die italienischen Behörden eine Strafe von 10.000 Euro verhängt, erklärte die Organisation Sea-Watch am Montag weiter in Berlin. Die Seenotretter hatten Mitte März rund 100 Flüchtlinge und Migranten an Bord geholt und sie nach tagelangem Ringen um einen sicheren Hafen nach Trapani auf Sizilien gebracht.

Der Einfahrt in Trapani war ein Streit mit den italienischen Behörden vorausgegangen. Diese hatten dem Schiff zunächst den mehr als 1.100 Kilometer vom Rettungsort entfernten und deutlich weiter im Norden gelegenen Hafen Marina di Carrara zugewiesen, was die Crew aufgrund der großen Entfernung ablehnte. Zudem hatten sich die Retter nach eigenen Angaben geweigert, mit libyschen Milizen zu kommunizieren. Diese brächten Geflüchtete „in Systeme willkürlicher Haft und Folter zurück“. Sea-Watch befolge keine Anweisungen, die internationalen Konventionen und Menschenrechten widersprechen, betonte die Organisation.

Protest gegen „Sabotage-Maßnahme“

Die Festsetzung sei nun eine „vorhersehbare Maßnahme zur Sabotage ziviler Seenotrettung“, erklärte Sea-Watch. Italiens Anweisungen seien Teil des sogenannten Piantedosi-Dekrets, mit dem die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer behindert werden solle. „Wer ihnen folgt, gefährdet Menschenleben - wer sich widersetzt, wird sanktioniert.“

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Tunesien in See, in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen. Seit Beginn des Jahres wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bei Versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, bereits mehr als 800 Tote oder Vermisste gemeldet.

Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!
„welt-sichten“ schaut auf vernachlässigte Themen und bringt Sichtweisen aus dem globalen Süden. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Warum denn das?
Ja, „welt-sichten“ ist mir etwas wert! Ich unterstütze es mit
Schon 3 Euro im Monat helfen
Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!