Schiff von "Sea-Watch" nach Rettung von Geflüchteten festgesetzt

Erneut wird ein Schiff der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch in Italien festgesetzt. Zuvor hatte die Crew der "Aurora" mehr als 40 Menschen von einer Ölplattform gerettet.

Frankfurt a.M. - Die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch beklagt die Blockade der „Aurora“, eines ihrer Rettungsschiffe, durch Italien. Nach der Rettung von 44 Geflüchteten und Migranten von einer verlassenen Ölplattform im Mittelmeer hätten die italienischen Behörden das Schiff festgesetzt, teilte Sea-Watch am Dienstag mit. Die genaue Dauer werde in den kommenden Tagen mitgeteilt. Zudem sei der Organisation eine Geldstrafe zwischen 2.000 und 10.000 Euro auferlegt worden.

Die Crew der „Aurora“ hatte die Menschen laut Sea-Watch am vergangenen Samstag auf die italienische Insel Lampedusa gebracht, nachdem diese tagelang auf der Plattform ausgeharrt hatten. Die anschließende Festsetzung sei auf Grundlage des sogenannten Piantedosi-Dekrets erfolgt. Konkret werde Sea-Watch vorgeworfen, die libyschen Behörden nicht über den Rettungseinsatz informiert zu haben.

Mehr als 900 Tote und Vermisste

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen und Tunesien in See in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen. Seit Beginn des Jahres wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 900 Tote oder Vermisste bei Versuchen gemeldet, das Mittelmeer zu überqueren.

Unter der rechtsgerichteten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Italien das Vorgehen gegen die privaten Seenotretter verschärft. Zuletzt war auch die „Sea-Watch 5“ von Sea-Watch nach einem Rettungseinsatz für 20 Tage festgesetzt worden.

„Kein europäischer Staat kam ihnen zu Hilfe“

Während im Mittelmeer Hunderte Menschen ertränken, blockiere Italien die Schiffe, die sie retten könnten, kritisierte Giulia Messmer, Sprecherin von Sea-Watch. 44 Menschen hätten fünf Tage lang auf einer Ölplattform festgesessen, „und kein europäischer Staat kam ihnen zu Hilfe“.

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