Peru: Wahlen inmitten politischer Vertrauenskrise

Peru wählt am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt und ein Parlament. Doch die Unzufriedenheit mit dem politischen System ist groß, auch wegen der weitverbreiteten Korruption.

Berlin/Lima - Inmitten einer tiefgreifenden politischen Vertrauenskrise ist die Bevölkerung in Peru am Sonntag zu Präsidentschafts- und Parlamentswahlen aufgerufen. 36 Kandidatinnen und Kandidaten sind für das Amt an der Staatsspitze im Rennen. Hauptthemen sind die zunehmende Gewalt krimineller Banden, die politische Instabilität des Landes sowie die weitverbreitete Korruption in der Regierung und dem Parlament.

Erstmals seit 1990 wird die Bevölkerung neben der Abgeordnetenkammer auch wieder einen Senat wählen, der nach einer Reform des bisherigen Einkammersystems im Jahr 2024 wieder eingeführt wird.

Keiko Fujimori in Umfragen vorne

In den Umfragen für die Präsidentschaftswahlen führt mit etwa zehn Prozent der Stimmen Keiko Fujimori, Tochter des von 1990 bis 2000 autoritär herrschenden Staatschefs Alberto Fujimori. An zweiter Stelle liegt der ultrarechte ehemalige Bürgermeister von Lima, Rafael López Aliaga.

Neben Fujimori und López Aliaga treten laut dem Politikwissenschaftler Alejandro Godoy auch mehrere Kandidaten an, die sich als politische Außenseiter verstehen und ebenfalls eine Chance haben, in eine mögliche Stichwahl zu gelangen. Diese ist für den 7. Juni geplant, sofern kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält.

Große Unzufriedenheit mit politischem System

In den vergangenen zehn Jahren hatte Peru insgesamt acht Präsidenten, die jeweils nach kurzer Zeit vom Parlament wieder abgesetzt wurden. Im Zusammenspiel mit wiederholten auftretenden Korruptionsskandalen hat dies zu einer Vertrauenskrise in der Bevölkerung geführt. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IEP waren nur noch 16 Prozent der Befragten zufrieden mit dem aktuellen politischen System in Peru.

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