Weltweite Krisen: Wissenschaftler sieht Wege aus der Hilflosigkeit

Straßenprotest als politisches Werkzeug: Ein Bremer Politologe sieht darin überraschend große Chancen - selbst in Zeiten globaler Krisen und gefühlter Ohnmacht.

Bremen - Angesichts von globalen Krisen und Konflikten wie dem Krieg der USA und dem Iran sieht der Bremer Politikwissenschaftler Martin Nonhoff große Chancen im Widerstand auf der Straße. „Ich glaube, die Öffentlichkeit zu suchen und zu sprechen, ist das Hauptmittel der Einflussnahme auf politische Prozesse“, sagte der Professor für Politische Theorie an der Universität Bremen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Große Demonstrationen zum Klimawandel oder gegen Rechtsextremismus hätten gezeigt, dass auf diese Weise Fortschritte erreicht werden könnten.

Es sei verständlich, dass Menschen sich bei den massiven Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran selbst hilflos fühlten, betonte Nonhoff. „Jeder Einzelne hat natürlich nicht die militärischen Mittel, um etwas dagegen zu machen.“ Menschen könnten ihre Anliegen aber an Abgeordnete und Minister schreiben.

Protestbewegungen nicht auf Knopfdruck

Wichtig sei, den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort zu stärken, um sich von den Ängsten oder einem Gefühl der Machtlosigkeit zu lösen. Projekte wie Quartiersarbeit oder lokale Initiativen, etwa für Geflüchtete, seien vermeintlich kleinteilig, aber auch effizient, sagte Nonhoff, der am Bremer Institut für Interkulturelle und Internationale Studien forscht und lehrt.

Größere, einflussreiche internationale Protestbewegungen wie die Demonstrationen zum Klimawandel seien selten und funktionierten nicht „auf Knopfdruck“, sagte der Politologe. Einen großen Einfluss darauf hätten oft die Medienberichterstattung und die Themen, von denen sich die Menschen angesprochen fühlten. Einige Katastrophen würden leider als weniger relevant gesehen und kaum öffentlich wahrgenommen. „Die humanitären Katastrophen im Sudan oder im Jemen bringen so gut wie niemanden auf die Straße.“

Kommunaler Widerstand in Minneapolis beispielhaft

Ein positives Beispiel für starken kommunal organisierten Widerstand seien die Proteste im US-amerikanischen Minneapolis gewesen, sagte Nonhoff. Dort hätten Menschen mit Trillerpfeifen ein Warnsystem in den Nachbarschaften entwickelt, um vor drohenden Einsätzen der Migrationsbehörde ICE zu warnen und Menschen zu versorgen, die sich nicht mehr auf die Straße trauten. „Die Protestaktionen haben sicher viele willkürliche Abschiebungen, Festnahmen und Gewalt verhindert.“

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