Oxfam: Noch immer Ausbeutung auf Bananenplantagen für deutschen Markt

Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat deutsche Supermarktriesen in Hinblick auf gerechte Löhne im Bananenanbau unter die Lupe genommen. Sie sieht Fortschritte, aber auch weiter Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Plantagen.

Berlin - Armutslöhne, überlange Arbeitstage, unbezahlte Überstunden: Für den deutschen Bananengenuss zahlen Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter laut Oxfam noch immer einen hohen Preis. Zwar hätten sich in den vergangenen Jahren Supermarktriesen zunehmend für gerechte Löhne beim Bananenanbau engagiert, erklärte die Entwicklungsorganisation in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Es gebe aber noch große Lücken.

Die Unternehmen Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland kontrollierten 88 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels, erklärte Oxfam. Das gebe ihnen enormen Einfluss auf die Preise in den Regalen und auf die Arbeitsbedingungen in den Anbauländern. Mit Blick auf gerechte Löhne im Bananenanbau zeigten sich allerdings inzwischen klare Fortschritte in den Bemühungen fast aller der großen Unternehmen.

Mehr Engagement gefordert

Rewe, Aldi und Kaufland hätten sich verpflichtet, mindestens die Hälfte ihrer Bananen so einzukaufen, dass Arbeitenden mit ihren Familien ein existenzsichernder Lohn dafür gezahlt wird. Lidl als Vorreiter habe sich bereits seit 2022 verpflichtet, für 100 Prozent seiner verkauften Bananen die Lücke im Lohn zu schließen, die für ein menschenwürdiges Leben nötig sei. Edeka hingegen bleibe zurück und habe sich keiner dieser Initiativen angeschlossen. Edeka lasse die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Bananenplantagen im Stich, erklärte Oxfam-Referent Tim Zahn.

Edeka wies die Vorwürfe zurück. „Existenzsichernde Löhne sind bei Edeka ausdrücklich als Menschenrecht anerkannt und fest in unserem Verhaltenskodex sowie in der unternehmensweiten Leitlinie zu existenzsichernden Löhnen und Einkommen verankert“, erklärte Sprecherin Esther Fehr auf epd-Anfrage. „Diese Grundsätze gelten für alle Lieferketten.“ Im Bananensektor verfolge Edeka einen ganzheitlich angelegten Ansatz, der sich nicht auf einzelne Maßnahmen oder Zielgrößen beschränke, sondern ökologische, soziale und arbeitsrechtliche Verbesserungen verbinde.

Aldi mahnt gemeinsames Vorgehen an

Aldi Nord teilte mit, der Ansatz des Unternehmens sei es, „gemeinsam mit Lieferanten, Geschäftspartnern und externen Stakeholdern schrittweise an besseren Lohnstrukturen zu arbeiten - insbesondere dort, wo die Risiken am größten sind“. Eine nachhaltige Verbesserung könne jedoch nur gelingen, wenn sich „alle relevanten Händler“ gemeinsam und verbindlich zu diesem Ziel verpflichteten.

Eine Sprecherin von Rewe verwies auf sektorweite Initiativen, in denen sich das Unternehmen seit Jahren für nachhaltige Verbesserungen entlang der gesamten Lieferkette engagiere. „Wir sind uns bewusst, dass existenzsichernde Löhne in globalen Agrarlieferketten weiterhin eine große Herausforderung darstellen“, sagte sie.

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