Stockholm - Die Welt rüstet weiter auf. Vor dem Hintergrund zahlreicher Krisen und Kriege sind die globalen Militärausgaben 2025 das elfte Jahr in Folge gestiegen, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag in Stockholm mitteilte. Insgesamt investierten die Staaten demnach 2.887 Milliarden US-Dollar in ihre Streitkräfte. Dies sei ein Anstieg von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
2024 hatte der Anstieg im Vorjahresvergleich noch bei fast zehn Prozent gelegen. Dass das Wachstum nun geringer ausfällt, erklären die Sipri-Forscher maßgeblich mit den gesunkenen Militärausgaben der USA. Dafür hätten jedoch unter anderem die europäischen Staaten 2025 deutlich mehr in ihre Streitkräfte investiert: Mit 864 Milliarden US-Dollar stiegen die Ausgaben um 14 Prozent. Berücksichtigt werden dabei auch russische Militärausgaben.
Deutschland auf Platz vier
Allein die 29 europäischen Nato-Mitglieder gaben laut Sipri 2025 insgesamt 559 Milliarden US-Dollar für ihre Streitkräfte aus. Deutschland habe in der Gruppe mit 114 Milliarden US-Dollar die höchsten Ausgaben, ein Anstieg um 24 Prozent gegenüber 2024. Dies entspreche 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im weltweiten Vergleich war Deutschland damit das Land mit den vierthöchsten Militärausgaben (2024: Platz fünf).
„Im Jahr 2025 stiegen die Militärausgaben der europäischen Nato-Mitglieder so stark wie nie zuvor seit 1953“, sagte Sipri-Forscherin Jade Guiberteau Ricard. Dies spiegele das anhaltende Streben nach europäischer Eigenständigkeit sowie den zunehmenden Druck seitens der Vereinigten Staaten wider.
USA bleiben Spitzenreiter
Das Land mit den am Abstand höchsten Militärausgaben bleiben die USA. Mit 954 Milliarden US-Dollar hätten diese 2025 allerdings um 7,5 Prozent niedriger gelegen als noch im Vorjahr. Der Rückgang sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass im Laufe des Jahres keine neue finanzielle Militärhilfe für die Ukraine bewilligt worden sei, teilten die Friedensforscher mit. Dies stelle einen krassen Gegensatz zu den vorangegangenen drei Jahren dar, in denen insgesamt 127 Milliarden US-Dollar bewilligt worden waren.
„Der Rückgang der US-Militärausgaben dürfte nur von kurzer Dauer sein“, sagte Nan Tian, Programmdirektor des Sipri-Programms für Militärausgaben und Rüstungsproduktion. Die USA stockten ihre Investitionen sowohl in nukleare als auch in konventionelle militärische Fähigkeiten auf, um ihre Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre zu wahren und China im indopazifischen Raum abzuschrecken.
„Die vom US-Kongress für 2026 bewilligten Ausgaben sind auf über eine Billion US-Dollar gestiegen“, sagte Tian. Dies stelle einen erheblichen Zuwachs gegenüber 2025 dar und könnte 2027 weiter auf 1,5 Billionen US-Dollar zulegen.
Ukraine gibt 40 Prozent des BIP für Waffen aus
Auch die Militärausgaben Russlands und der Ukraine stiegen im vierten Kriegsjahr weiter. Russlands Militärausgaben lagen laut den Sipri-Daten 2025 mit 190 Milliarden US-Dollar um 5,9 Prozent höher als im Vorjahr, der dritthöchste Wert im weltweiten Vergleich. Die Ukraine habe ihre Ausgaben um 20 Prozent auf 84,1 Milliarden US-Dollar erhöht, was 40 Prozent der Wirtschaftsleistung entspreche.
Die Militärausgaben Russlands und der Ukraine dürften laut Sipri-Forscher Lorenzo Scarazzato in diesem Jahr abermals steigen, sollte der Krieg andauern. Als Begründung nannte er die Zunahme der Ölverkäufe Russlands und die Aussicht auf einen großen Kredit der EU für die Ukraine.
Das international renommierte Friedensforschungsinstitut Sipri wurde 1966 gegründet. Um den Anstieg im Vergleich zum Vorjahr zu messen, wurden die Werte inflationsbereinigt.