Bonn - Kein Kontinent erwärmt sich so schnell wie Europa - und die Folgen des Klimawandels sind deutlich zu spüren. Zu diesem Schluss kommt der Europäische Klimazustandsbericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Der Bericht bestätige, dass sich Europa seit 1980 zweimal so schnell wie der globale Durchschnitt erwärmt habe, „was Europa zum sich schnellsten erwärmenden Kontinent der Welt macht“, sagte die Generalsekretärin der Weltwetterorganisation (WMO), Celeste Saulo. Hitzewellen träten häufiger auf und sie würden stärker. Insbesondere in Südeuropa hätten Dürren Waldbrände befeuert. „Gletscher in allen europäischen Regionen sind weiter geschmolzen.“
Hohe Temperaturen in fast ganz Europa
Der Report „European State of the Climate 2025“ wurde vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) und der WMO erstellt. Rund 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Beobachtungen zu zahlreichen Klimaindikatoren für Europa zusammengetragen.
Dem Bericht zufolge verzeichneten mindestens 95 Prozent des Kontinents im vergangenen Jahr überdurchschnittlich hohe Temperaturen. „2025 war eines der wärmsten Jahre in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen“, sagte Samantha Burgess, Leiterin für strategische Klimaforschung beim EZMW.
Meere heizen sich auf
Auch die Meeresoberflächentemperatur für die europäische Meeresregion habe das vierte Jahr in Folge einen Höchststand erreicht, sagte Burgess. Im Mittelmeer habe die Temperatur auf dem zweithöchsten Stand gelegen, knapp unter dem Wert von 2024. Den Daten zufolge wurden im Jahresdurchschnitt etwas über 21 Grad Celsius gemessen.
Die Klimafachleute verweisen auf einen „anhaltenden Trend zur raschen Erwärmung der kältesten Regionen Europas - darunter die Arktis und die Alpen“. So habe das subarktische Fennoskandien, also Gebiete Norwegens, Finnlands und Schwedens nahe dem nördlichen Polarkreis, im Juli eine Hitzewelle über drei Wochen erlebt, die längste seit Beginn der Aufzeichnungen.
Während dieses Zeitraums hätten die Temperaturen in der Nähe und innerhalb des Polarkreises 30 Grad Celsius überschritten, hieß es. Der Höchstwert von 34,9 Grad sei im norwegischen Frosta gemessen worden.
Rückgang von Gletschern
Auch der Rückgang der Gletscher hat sich laut dem Bericht im vergangenen Jahr fortgesetzt. Klimaforscherin Burgess äußerte sich besorgt über den Rückgang des grönländischen Eisschildes: Dieses habe rund 139 Gigatonnen Eis verloren, was einem Verlust von 100 olympischen Schwimmbecken „jede einzelne Stunde“ entspreche, sagte Burgess.
Alarmierend sind auch die zahlreichen Waldbrände in Europa. Insgesamt sei eine Rekordfläche von rund 1.034.000 Hektar abgebrannt, eine Fläche größer als Zypern, heißt es in dem Bericht.
Europa um 2,5 Grad wärmer
In Europa liegt der Temperaturanstieg im Vergleich zur vorindustriellen Zeit dem Report zufolge derzeit bei rund 2,5 Grad Celsius und damit deutlich über dem globalen Schnitt von 1,4 Grad. Burgess begründete die schnellere Erwärmung des Kontinents mit mehreren Faktoren, darunter eine geografische Nähe zur Arktis, die sich besonders schnell aufheizt, sowie veränderte Wetterverhältnisse. Auch der Rückgang der Schneebedeckung spielt laut Bericht eine Rolle, weil dadurch weniger Sonnenlicht reflektiert wird.
Der Bericht zum Zustand des Klimas in Europa ergänzt andere Analysen zum Klimajahr 2025, das als eines der drei weltweit wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen eingestuft wird. Der Klimawandel wird maßgeblich durch den menschlichen Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 verursacht. Um das international vereinbarte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu beschränken, müsste der Verbrauch der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas rasch sinken.