Berlin, Jerusalem - Mehr Fehlgeburten, mehr Frühgeburten, sterbende Neugeborene: Mangelernährung und extremer Stress im Gaza-Krieg haben sich laut „Ärzte ohne Grenzen“ in dramatischer Weise auf Schwangere und Babys ausgewirkt. Trotz des ausgehandelten Waffenstillstands bleibe die Lage äußerst fragil, humanitäre Hilfe sei weiter eingeschränkt, erklärte die Hilfsorganisation bei der Vorstellung ihrer Analyse am Donnerstag.
Zwischen Ende 2024 und Anfang 2026 wurden demnach an vier von „Ärzte ohne Grenzen“ betriebenen oder unterstützten Gesundheitseinrichtungen deutlich erhöhte Frühgeburtenraten und Sterblichkeit bei Neugeborenen mangelernährter Schwangerer sowie hohe Fehlgeburtenzahlen dokumentiert. So seien die Daten von 201 Müttern in den Krankenhäusern Al-Nasser und Al-Helu ausgewertet worden, von denen mehr als die Hälfte während der Schwangerschaft zumindest zeitweise von Mangelernährung betroffen gewesen seien.
Behandlung oft unmöglich
Die Folgen für die Kinder seien gravierend gewesen, heißt es in dem Bericht. 90 Prozent seien zu früh geboren worden, 84 Prozent hätten ein niedriges Geburtsgewicht gehabt. Die Sterblichkeit sei bei den Neugeborenen von mangelernährten Müttern doppelt so hoch wie bei Kindern von Müttern ohne Mangelernährung gewesen. Der Krieg habe zudem die Behandlung von mangelernährten Kindern oft unmöglich gemacht. Aufgrund der Unsicherheit und Vertreibungen habe es viele Therapieabbrüche gegeben.
„Ärzte ohne Grenzen“ macht die israelische Blockade von Lieferungen lebenswichtiger Güter und die Angriffe auf zivile Infrastruktur für die Not verantwortlich. „Die Mangelernährungskrise ist vollständig menschengemacht“, erklärte Mercè Rocaspana, medizinische Referentin für Notfälle. Die medizinische Hilfsorganisation forderte die israelische Regierung auf, daher unverzüglich ungehinderten und kontinuierlichen Zugang zu lebensrettenden Hilfsgütern zu ermöglichen.