Frankfurt a.M., Mogadischu - Die Vereinten Nationen warnen vor einer Verschärfung der Hungerkrise in Somalia. Die Ernährungslage in dem Land am Horn von Afrika verschlechtere sich weiter: „Erstmals seit der Krise von 2022 besteht wieder ein konkretes Risiko einer Hungersnot“, teilten mehrere UN-Organisationen, darunter das Welternährungsprogramm (WFP), am Freitag in der Hauptstadt Mogadischu mit. Mehrere Faktoren seien für die Zuspitzung der Krise verantwortlich, darunter eine anhaltende Dürre, ausbleibende Hilfsgelder sowie die Folgen des Konflikts im Nahen Osten.
Zwischen April und Juni würden voraussichtlich rund sechs Millionen Menschen, knapp ein Drittel der Bevölkerung, unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden, hieß es. Von diesen befänden sich nach dem international anerkannten Klassifizierungsschema IPC bereits 1,9 Millionen Menschen in einer Notlage, der letzten Stufe vor einer Hungersnot und schwerwiegendsten Form einer Hungerkrise.
Große Not unter Kindern
Besonders alarmierend sei die Lage von Kindern. Etwa 1,9 Millionen Jungen und Mädchen seien von akuter Mangelernährung betroffen. „Davon leiden rund 493.000 an schwerer akuter Mangelernährung und haben ein bis zu zwölfmal höheres Sterberisiko als gut ernährte Kinder“, hieß es.
Angesichts der großen Not mahnten die Organisationen deutlich mehr Geld für die humanitäre Hilfe an. Der humanitäre Aktionsplan für Somalia 2026 sei bislang nur zu etwa 15 Prozent finanziert. Fast 90 Prozent der Bevölkerung erhielten kaum oder gar keine Unterstützung. „Wir erreichen einen Punkt, an dem jede weitere Verzögerung Menschenleben kosten kann“, sagte der WFP-Landesdirektor für Somalia, Hameed Nuru. Ohne zusätzliche Mittel drohe die „lebensrettende Hilfe genau dann zu enden, wenn sie am dringendsten benötigt wird“.
852 Millionen Dollar für Hilfe benötigt
Für das laufende Jahr werden laut dem Hilfsplan Mittel in Höhe von 852 Millionen US-Dollar benötigt (etwa 732 Millionen Euro). Neben dem WFP schlossen sich die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), das UN-Nothilfebüro (OCHA) sowie das Kinderhilfswerk Unicef der Warnung an.