Amnesty: Wenige Länder treiben Zahl der Hinrichtungen in die Höhe

Für 2025 verzeichnet Amnesty International weltweit einen extremen Anstieg bei der Vollstreckung der Todesstrafe. Fast die Hälfte der dokumentierten Hinrichtungen erfolge völkerrechtswidrig im Zusammenhang mit Drogendelikten.

Berlin - Mehr als 2.700 dokumentierte Hinrichtungen und vermutlich Tausende nicht erfasste Fälle: Im vergangenen Jahr wurde laut Amnesty International die Todesstrafe weltweit so oft vollstreckt wie seit 1981 nicht mehr. Allein im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der dokumentierten Exekutionen fast verdoppelt, erklärte die Menschenrechtsorganisation in ihrem am Montag vorgestellten Todesstrafenbericht 2025.

Der hohe Anstieg gehe vor allem auf wenige Staaten zurück, die die Todesstrafe gezielt als Instrument der Einschüchterung einsetzten, erklärte Amnesty. Allen voran seien dies China, der Iran und Saudi-Arabien. Die im Bericht dokumentierten 2.707 Hinrichtungen bildeten dabei nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes ab. Nicht erfasst seien Zahlen aus China, wo Daten zu Exekutionen als Staatsgeheimnis gälten. Jährlich würden dort Schätzungen zufolge Tausende Personen hingerichtet - und damit die meisten Menschen weltweit. Auch Hinrichtungen in Vietnam und Nordkorea seien in der Gesamtzahl nicht erfasst.

Starker Anstieg im Iran

Im Iran werde die Todesstrafe verstärkt als Instrument der Unterdrückung und zur Verbreitung von Angst eingesetzt, heißt es in dem Bericht weiter. Dort seien im vergangenen Jahr mindestens 2.159 Menschen hingerichtet worden, mehr als doppelt so viele wie 2024. In Saudi-Arabien habe es mindestens 356 Exekutionen gegeben. Anstiege bei der Vollstreckung der Todesstrafe verzeichnete Amnesty auch in den USA (von 35 auf 47), in Singapur (von 9 auf 17), Ägypten (von 13 auf 23) und Kuwait (von 6 auf 17). Hinrichtungen gab es 2025 zudem noch in zehn anderen Ländern: in Afghanistan, Irak, Japan, Jemen, Nordkorea, Somalia, Südsudan, Taiwan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Vietnam.

„Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit“, erklärte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland. Mit Blick auf die Todesstrafe als Instrument der Unterdrückung verwies sie auf das Beispiel Iran. Dort „können wir aktuell auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten.“

Todesstrafe in Großteil der Länder abgeschafft

Insgesamt erfolgte fast die Hälfte aller dokumentierten Hinrichtungen 2025 dem Bericht zufolge im Zusammenhang mit Drogendelikten. Auch im Iran sei dies bei 998 Exekutionen der Fall gewesen. Nach internationalen Menschenrechtsstandards dürfe die Todesstrafe jedoch ausschließlich bei „schwersten Verbrechen“ verhängt werden. Menschen für Straftaten wie Drogendelikte hinzurichten, sei zusätzlich ein klarer Bruch des Völkerrechts.

Als positive Entwicklung führt Amnesty an, dass inzwischen mehr als zwei Drittel aller Länder weltweit die Todesstrafe gesetzlich oder in der Praxis abgeschafft haben. In Europa und Zentralasien seien 2025 keine Todesurteile verhängt und keine Hinrichtungen vollstreckt worden, auf dem amerikanischen Kontinent habe es einzig in den USA Exekutionen gegeben, in Afrika hätten 3 von 54 Staaten Menschen hingerichtet.

Für den jährlichen Bericht wurden laut Amnesty International eine Vielzahl an Quellen ausgewertet, darunter offizielle Daten, aber auch Angaben von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Informationen von Angehörigen.

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