Tschad: Gericht bestätigt 20 Jahre Haft für Oppositionsführer

Mit der Bestätigung der harten Strafe für den tschadischen Ex-Premier Masra wird eine wichtige Oppositionsstimme im autoritär regierten Tschad zum Schweigen gebracht.

Frankfurt am Main, N'Djamena (epd). Im Tschad muss der führende Oppositionspolitiker Succès Masra für 20 Jahre in Haft. Der Oberste Gerichtshof des westafrikanischen Landes bestätigte ein früheres Urteil gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten, wie der französische Sender RFI am Freitag berichtete. Im August war der Politiker der Verbreitung „rassistischer und frauenfeindlicher Botschaften“ sowie der Beihilfe zum Mord für schuldig befunden worden. Masra weist alle Vorwürfe zurück, seine Anwälte sprechen von einem politisch motivierten Verfahren.

Hintergrund ist ein Massaker in Mandakao, einer Ortschaft im Süden des Tschad. Dort gab es im Mai 2025 gewaltsame Auseinandersetzungen, bei denen mindestens 42 Menschen getötet wurden. Masra, der der Partei „Les Transformateurs“ vorsteht, wurde vorgeworfen, den Konflikt zwischen Viehzüchtern und Bauern durch Hassbotschaften angestachelt zu haben. Gemeinsam mit Masra wurden im August mehr als 70 weitere Personen verurteilt. Rechtlich gesehen bestehen die einzigen noch möglichen Rechtsmittel für den Politiker darin, den Fall vor regionale oder internationale Gerichte zu bringen.

Gerichtsgebäude abgeriegelt

Während der Bekanntgabe des Urteils im Berufungsverfahren herrschte laut RFI rund um das Gerichtsgebäude in der Hauptstadt N’Djamena ein massives Sicherheitsaufgebot. Militär und Polizei riegelten das Gebäude des Obersten Gerichtshofs ab, obwohl das Verfahren offiziell öffentlich war. Auch Journalistinnen und Journalisten erhielten demnach keinen Zutritt zum Sitzungssaal.

Der Ökonom Masra hatte sich in den vergangenen Jahren als eine der wichtigsten Stimmen der Opposition im Tschad etabliert. In dem zentralafrikanischen Land regiert die Familie Déby seit mehr als 30 Jahren autoritär. Der aktuelle Präsident Mahamat Déby übernahm das Amt 2021 nach dem Tod seines Vaters Idriss Déby. Masra war 2023 nach anderthalb Jahren im Exil in den Tschad zurückgekehrt und in einer überraschenden Annäherung Anfang 2024 zum Ministerpräsidenten der Übergangsregierung ernannt worden. Nach der Wahl im Mai 2024 räumte er seinen Posten.

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